Matthias Horx  Trend- und Zukunftsforscher

Buchempfehlungen – Meine Lieblingsbücher

Bruce Bueno de Mesquita

The Predictioneer's Game -
Using the logic of brazen self-interest to see and shape the future

272 Seiten, Random House, 2009

Zugegeben: Der Mann ist umstritten. Aber wer wäre das nicht, der sich mit Prognosen und ihrer Validität, der Technik der Vorhersage im Rahmen der Spieltheorie, und dazu noch mit brandheißen internationalen Konflikten beschäftigte. Der für CIA und Regierungen und diverse andere Think-Tanks von Kuala Lumpur bis Los Angeles arbeitet, und nicht gerade billig ist.

Bueno des Mesquitas Buch „The Predictioneers Game” ist schon vor einigen Jahren erschienen, erlebt in der momentanen historischen Situation jedoch eine Art Comeback. Denn der Sozialwissenschaftler und Politologe hat sich darin mit einem jener Konflikte – prediktiv – auseinandergesetzt, die jetzt in die heisse Runde gehen. Dem Iran-Israel-USA-Atomkonflikt, der in den nächsten Monaten oder Jahren vielleicht unsere ganze Welt verändern kann.

„Predictioneering” lässt sich mit „Vorhersagen und Gestalten” (Predicting and Engineering) übersetzen. Unter anderem sah Mesquita das Scheitern der Klimakonferenz von Kopenhagen richtig voraus. Die Pleite von Enron. Die politische Zukunft Hongkongs. Machtwechsel im sowjetischen Politikbüro. Bei 90 Prozent der von ihm bearbeiteten Konflikte hatte er schlichtweg recht mit seiner Prognose. Er ist der vielleicht dienstälteste Zukunftsforscher der Welt. Und der erfolgreichste. Und unbekannteste.

An Mesquitas Geschichte kann man sehen, dass Prognostik nicht entlang von Wahrheits- oder Methodik-Kriterien funktioniert. Sie ist vielmehr ein Unterhaltungsbusiness, in dem derjenige berühmt und erfolgreich wird, der spektakulären Unsinn erzählt, den die Medien (und das kollektive Erwartungssystem) gerade „abkaufen”. Eben das macht und kann Mesquita nicht. Er ist ein trockener Analytiker; nicht ohne Humor, aber ganz ohne spektakuläres Brimborium.

Mesquitas Methode geht auf die klassische Spieltheorie der 60er Jahre zurück (Hermann Kahn, von Neumann, John Nash u.a.). Es hat daraus ein mathematisches System gemacht, das er in den Computer speist, der dann streng nach probabilistischen Methoden die wahrscheinlichste Variante für den Ausgang auswirft. Für das Ergebnis eines Konflikts, oder den Erfolg einer wirtschaftlichen oder politischen Strategie.

Die einzelnen Schritte sind wie folgt:

  1. Systemische Konfliktanalyse: Bestimmung ALLER handelnden Personen, Interessen und Nuancen in einem Konflikt.
  2. Validierung der Rolle und Wichtigkeit der einzelnen Akteure in einem Konflikt: Wieviel Macht haben sie? Wie weit sind sie fähig und in der Lage, zu gehen? Wie balancieren sich die Machtstrukturen innerhalb der verschiedenen Interessengruppen?
  3. Antizipieren möglicher Allianzen oder Konfliktausgänge, „Durchrechnen” verschiedenster Optionen in Bezug auf die wahrscheinlichste Allianz.

Für den Konflikt im Nahen Osten, der uns in den nächsten Jahren „blühen” wird, hat Mesquita schon 2005 eine klare Diagnose veröffentlicht. Das iranische Regime, so das Ergebnis seiner Analyse, wird die Atombombe NICHT bauen. Es geht vielmehr um eine politische Strategie der Selbstaufwertung bestimmter Teile der iranischen Politik gegenüber dem Mullah-Regime. Es geht um Macht- und Muskelspiele. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Iran möchte FÄHIG sein, eine Atombombe zu bauen, wird dies jedoch niemals tun.

Erstaunlicherweise deckt sich diese schon vor Jahren gestellte Prognose mit den heutigen Erkenntnissen der Geheimdienste und vieler diplomatischer Organisationen. Heißt das, das es IN KEINEM FALL einen Krieg im Nahen Osten geben wird? Nein, denn manche Konflikt-Entwicklungen verlaufen nach irrationalen Mustern. Psychologie und Hysterie spielen bei Eskalationen eine grosse Rolle. „Wenn man Quatsch eingibt, kommt Quatsch heraus”, sagt Bueno de Mesquita über seine Methode. Das gilt eben auch für den realen Verlauf der Dinge. Krieg entsteht im Grunde immer aus Angst, und aus Angst vor der Angst. Deshalb kann man mit der spieltheoretischen Methode immer nur EINEN Teil der Wirklichkeit berechnen. Aber immerhin: Wenn man wissenschaftliche Prognostik richtig einsetzen würde, als INSTRUMENT von Zukunftsplanung, dann würde sich das irrationale Element deutlich verkleinern. Diesen rekursiven Effekt meint Mesquita mit seiner Wortschöpfung PREDICTIONEERING: Die Welt vorhersagen, und sie dabei gestalten.

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Steven Pinker - Gewalt

Steven Pinker

Gewalt, eine neue Geschichte der Menschheit

1216 Seiten, Fischer, Frankfurt, 2011

Ein fundamentales Buch über die positiven Trends der Menschheitsgeschichte und ein optimistisches Manifest zugleich. Pinker untersucht den Rückgang der Gewalt in der menschlichen Kultur, von den Kriegstoten bis zur Kriminalität, und erklärt ihn mit der Komplexitätsentwicklung. Eine gute Rüstung gegen die Doomsayer!

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Dan Gardner - Future Babble

Dan Gardner

Future Babble –
Why Expert Predictions Are Next to Worthless, and You Can Do Better

320 Seiten, Dutton Adult, 2011

Dan Gardner, ein amerikanischer Publizist, der mit einem sehr schönen Werk über den Alarmismus von sich reden machte („Risk – The Science of Fear”) hat nun auch ein Buch aus dem Genre „Warum die Prognostiker immer irren” geschrieben (leider bislang nur auf englisch erhältlich). Auch er kann sich die übliche Häme nicht verkneifen. Was Gardners Buch aber lehrreich und wichtig macht, ist eine gründliche Bestandsaufnahme dessen, was die moderne Kognitions-Psychologie über unsere „Zukunfts-Bias” weiss – über jene Verzerrungen in unseren Zukunftsbildern, die typisch menschlich sind.

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Stephen Law - Believing Bullshit

Stephen Law

Believing Bullshit –
How Not to Get Sucked Into an Intellectual Black Hole

271 Seiten, Prometheus Books, 2011

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Michael Shermer - The Believing Brain

Michael Shermer

The Believing Brain –
From Ghost and Gods to Politics and Conspiracies

385 Seiten, Times Books, 2011

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Glauben verändert die Welt. Es ordnet das Verwirrte und schafft Gemeinschaften, in denen man Halt finden kann. Es entlastet den Einzelnen von Komplexität. Verschwörungstheorien sind immer probate Mittel, unterkomplexes Denken in eigene, wahnhafte Stärke umzumünzen. Aber warum sind wir auch dreihundert Jahre nach Beginn der Aufklärung so abergläubische Wesen? Warum funktioniert die Säkularisierung, der „Megatrend rationales und wissenschaftliches Denken” nicht wirklich? Damit beschäftigen sich diese beiden Autoren in ihrer Untersuchung unseres ewig nach Sinn und Kohärenz suchenden Bewusstseins.

John Casti - Mood Matters

John Casti

Mood Matters –
From Rising Skirt Lengths to the Collapse of World Powers

210 Seiten, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 2010

Casti behauptet, dass das die Welt – die Zukunft – vor allem von einer mentalpsychologischen Kraft bestimmt wird. Wie Menschen sich fühlen, ob pessimistisch oder optimistisch, determiniert nach seiner Überzeugung alle Prozesse um uns herum. Stimmungen steuern Börsenkurse, Hauspreise, Kriege, Wahlergebnisse, Konjunkturzyklen, Hochhaushöhen, Geburtenraten, Rocklängen, Filmerfolge, Imperien, Modefarben. Stimmungs-Konstellationen steuern Firmenpleiten, Ölpreise, Baumwollpreise, Katastrophen, Krisen und Konjunktureinbrüche. Komplette Untergänge von Zivilisationen inklusive. Durch die Messung von Stimmungs- und Optimismus-Indikatoren lassen sich Ereignisse wie Finanzkrisen, ja sogar Kriege, weitgehend prognostizieren. Angesichts der Euro-Krise eine spannende These.

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Matt Ridley - Wenn Ideen Sex haben

Matt Ridley

Wenn Ideen Sex haben –
Wie Fortschritt entsteht und Wohlstand vermehrt wird

544 Seiten, Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2011

Ein flammendes Manifest gegen das Doomsday-Denken! Ridley verteidigt den Fortschritt gegen die Kulturpessimisten und er tut dies aus Sicht der systemischen Evolutionstheorie.

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Tim Harford - Adapt

Tim Harford

Adapt –
Why Success Starts With Failure

309 Seiten, Little, Brown Book Group, London, 2011

Der Engländer Tim Harford hat mit seinen verhaltensökonomischen Büchern schon seit Jahren den Ökonomie-Diskurs um eine erfrischende psychologische Seite erweitert. Auf deutsch erschienen sind „Ökonomics” und „Die Logik des Lebens”. Jetzt hat er seine Arbeit um einen sozio-evolutionären Ansatz ergänzt.

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David Brooks - The Social Animal

David Brooks

The Social Animal –
The Hidden Sources of Love, Character and Achievement

309 Seiten, Random House, New York, 2011

Der New Yorker kanadischer Herkunft David Brooks ist mit seinem Portrait der BOBOs, der Bourgeois Bohemians, bekannt geworden. Jetzt hat er ein Schlüsselwerk der Kognitions- und Evolutions-Psychologie geschrieben, das angeblich als neue „Bibel der Konservativen” fungiert, aber alles andere als konservativ ist. Wer wissen will, wie Menschen „ticken”, in Leben Liebe, Biographie, Beruf, wie sich Charakter entwickelt, Schicksal, Emotion, dem sei dieses fulminante, sehr gut erzählte Buch ans Herz gelegt.

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Martin A. Nowak - Super Cooperators

Martin A. Nowak

Super Cooperators –
Altruism, Evolution and Why We Need Each Other to Succeed

352 Seiten, Free Press, 2011

Martin A. Nowak ist ein mathematischer Evolutionsforscher und Spieltheoretiker. Der Amerikaner mit Wiener Herkunft hat sein ganzes Wissen über die menschliche Kooperation in ein lebendiges Buch gepackt und dabei klugerweise mit einem Wissenschafts-Journalisten kooperiert. Geschildert werden die zentralen Wirkweisen der sozialen Evolution, die uns in die Zukunft geleiten.

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Malcolm Gladwell - Was der Hund sah

Malcolm Gladwell

Was der Hund sah

368 Seiten, Campus Verlag, Frankfurt, 2010

Malcolm McGladwells Bücher sind auch auf deutsch erschienen (z.B.: „Überflieger” und „Blink”). Besonders empfehlenswert finde ich jedoch einen Sammelband seiner New-Yorker-Essays, in dem es aus den verschiedensten Perspektiven um SYSTEME geht. Hier kommen Literatur, Journalismus und Wissenschaft in eine wunderbare Synthese.

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David Deusch - The Beginning of Infinity

David Deutsch

The Beginning of Infinity –
Explanations That Transform the World

496 Seiten, Viking Adult, 2011

David Deutsch ist ein brillianter „Alleswisser”, der sich ursprünglich mit Quanteninformationstheorie beschäftigt hat. In seinem neuen Buch geht er aber weit über die Physik hinaus und wird zum Philosophen und Kognitions-Wissenschaftler. Er schreibt über die Evolution des humanen Wissens in die Zukunft hinein.

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Dan Ariely - The Upside of Irrationality

Dan Ariely

The Upside of Irrationality –
The Unexpected Benefits of Defying Logic at Work and at Home

334 Seiten, HarperCollins, 2010

Daniel Gilbert hat mit seinen Büchern über Glück und Zufall die „Choice Theory”, die Entscheidungs-Wissenschaft bereichert. Warum entscheiden sich Menschen unter welchen Umständen wofür? Auf deutsch ist erschienen: „Ins Glück stolpern”. Ein anderer Autor auf diesem Feld ist Dan Ariely (auf deutsch erschienen: „Denken hilft zwar, nützt aber nichts”). Sein neuestes Werk beleuchtet die positiven Aspekte der menschlichen Irrationalität.

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Douglas Hofstadter - I Am A Strange Loop

Douglas Hofstadter

I Am A Strange Loop

412 Seiten, Basic Books, 2008

Antonio Damasio hat über das menschliche Bewusstsein geforscht, sein neues Schlüsselwerk „Selbst ist der Mensch” ist auf deutsch bei DVA erschienen. Einen ähnlichen, noch tieferen philosophischen Ansatz über Art und Ursprung des Bewusstseins bietet Douglas Hofstadter, der Autor des legendären Kultwerkes „Goedel, Escher, Bach”.

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Simon Baron-Cohen - The Science of Evil

Simon Baron-Cohen

The Science of Evil –
On Empathy and the Origins of Cruelty

240 Seiten, Basic Books, 2011

Der Entwicklungspsychologe und Autismus-Spezialist Simon Baron-Cohen forscht an den Grenzlinien von Hirn, Hormonen und Welterkenntnis. Sein neues Buch hat, obwohl der Titel irgendwie nach einer Verarbeitung von Harry Potter klingt, zentrale Erkenntnisse über die Strukturen von Empathie und Mustererkennung zu bieten. Es erklärt, warum es das Böse in der Gesellschaft gibt, die Empathie-Verteilungen der humanen Spezies, aber auch, warum manche Menschen genial sind und andere nicht, wie der Unterschied zwischen Männern und Frauen beschaffen ist und vieles mehr. Und das alles auf gut 200 Seiten.

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Marion Küstenmacher, Tilmann Haberer, Werner Tiki Küstenmacher - Gott 9.0

Marion Küstenmacher, Tilmann Haberer,
Werner Tiki Küstenmacher

Gott 9.0 –
Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird

240 Seiten, Gütersloher Verlagshaus, 2010

2010 ist ein mutiges Buch von Küstenmacher / Haberer / Küstenmacher erschienen, das die spiral dynamics auf aktuelle gesellschaftliche und spirituelle Themen übersetzt. Wunderbar!

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