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Creative Cities – Die Zukunft der Städte

Neo-Urbanität und Post-Regionalismus im 21. Jahrhundert

Im Jahre 2050 werden 70 Prozent aller Menschen in Städten leben. Während in den Schwellenländern die Mega-Städte wuchern, kommt es in vielen Regionen zu urbanen Schrumpfungs-Prozessen. Neue Herausforderungen für die Stadt, aber auch neue Chancen für Urbanität und Regionalität entstehen.

Die „Glokalisierung” führt zu einer Renaissance der Mittel- und Kleinstädte, und „Kreative Design Cities” wetteifern um das neue kulturelle Welt-Kapital.


Am Anfang war die Stadt.

Jericho und Babylon sind die ersten „Metropolen”, von denen uns die Geschichte Zeugnis gibt. Beide Städte tragen schon im Namen jenes Skandalon, das mit dem Städtischen seit jeher verbunden ist: die Vermutung des Exzesses, des „Unnatürlichen”, der Völlerei und Sünde.

Dennoch setzte sich schon seit der frühen Antike durch: Stadtluft macht frei. In der Stadt herrscht Handel und Wandel, mischen sich die Sphären der Religion, der Kultur, des Geldes. Die Stadt, das war und ist und ist der Ort der höheren Komplexität. Die mittelalterliche Stadt lässt zum ersten Mal einen modernen Menschentypus erscheinen: Den Stadtbürger. Bildung, Kultur und Ökonomie waren für den „Citoyen” gleichermaßen wichtig und erstrebenswert.


Die Industrie-Stadt: Eine Fehlentwicklung.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beginnt die Industrialisierung die Lebensrealitäten der Menschen radikal umzuformen – und den Charakter der Städte zu zertrümmern. Elendsviertel und Slums wuchern, die Industrialisierung zertrennt die urbanen Räume: Fabriken, Schlafstädte, Kommerz-Zentren. Ende des 20sten Jahrhunderts übernimmt das Auto die Herrschaft über die Stadtlandschaft – mit problematischen Folgen für Umwelt und Sozialstruktur.


Die Kreative Stadt der Zukunft

Entscheidend für die Prosperität des Urbanen sind die „Drei T´s”, – Toleranz, Technologie, Talente. Kreative Städte betrachten ihre Minderheiten nicht als soziales Problemfeld, sondern als soziales Kapital! Sie verlangen von ihnen nicht einfach nur Anpassung, sondern sind bereit, sich im Integrationsprozess selbst zu verändern.


Kreative Städte haben den Mut zu symbolischer Leuchtturm-Architektur: Gewerbehöfe für die neue „Work-Life-Balance”, mit guten gastronomischen Angeboten, Kindergärten und Service-Einrichtungen, bilden die neuen ökonomischen Kraftwerke.

„Grüne” Stadtviertel wie das Vauban-Viertel in Freiburg zeigen, dass die Geschichte des Wohnbaus mit den Blöcken der Nachkriegszeit nicht zu Ende ist. So entstehen „urbane Dörfer in der Stadt”.


Design Cities

Metropolen wie Seoul, jahrzehntelang durch rapide Landflucht gewachsen, erfinden sich heute in einem Neo-Urbanismus-Prozess neu. Dafür werden Stadtautobahnen rückgebaut, Grüngürtel durch die Stadt geschlagen, Freizeitmöglichkeiten ausgebaut, Zentren wiederbelebt. Dabei geht es sowohl um die Harmonisierung und Ästhetisierung der städtischen Umwelt durch Symbole, Farben, Reduktion von Komplexität wie um eine „Verwaltung aus der Augenhöhe der Bürger.”


Ökopolis – die global-ökologische Stadt

Die MEGACITIES der Schwellenländer prägen bis heute unser negatives Bild großer Städte. Doch auch dort findet neues „Urban Design” statt. In den Steinwüsten von Sao Paolo, Manila oder Kalkutta experimentiert eine neue Generation von global ausgebildeten Stadtplanern mit neuen Methoden öko-urbaner Transformation. In China und den arabischen Ländern entstehen heute grüne Zukunfts-Städte, die ihre Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen beziehen – z.B.: Dongtan bei Schanghai und Masdar City. Die Natur in die Städte zurück – als grüne Architektur und „urban farming”.


Glokalisierung und Agriconica

Der italienische Designer Andrea Branzi erfand für jene Regionen, die eine „ländliche Urbanisierung” vollziehen, den Namen Agriconica – eine Synthese aus „Agrikultur” und „Elektronik”. Im Zuge von „Glokalisierungs” Prozessen entstehen Kulturregionen abseits der Ballungsgebiete, die ihre Abgelegenheit und Rückständigkeit überwinden und wieder Wirtschaftskraft und Talente anziehen.

Am Alpenrand, in Cornwall oder Wales, in Umbrien, der Toskana, in Süd- und Mittelfrankreich, Südschweden, Südtirol etc. haben sich seit Jahrzehnten attraktive Kreativ-Regionen entwickelt. Schließlich bilden sich im neuen Europa Schnittstellen- und Cluster-Regionen, die sich entweder mit grenzüberschreitendem Charakter als Wirtschaftszentren etablieren oder bestimmte sozioökonomische Themen wie Alterswohnen, Innovation, Lebensqualität etc. besetzen.

Literatur-Tipps:

  • „Rewind City – Wie Städte sich zurückentwickeln”, von Gerhard Serjoscha
  • Rolf Lindner: Walks on the Wild Side, Eine Geschichte der Stadtforschung, CAMPUS Verlag Frankfurt, 2004
  • Burdett, R, Sudjic, Deyan, The endless city, Phaidon Press Ltd, London, 2007
  • Franz Oswald, Nicola Schüller: Neue Urbanität Das Verschmelzen von Stadt und Landschaft, GVA 2003
  • Leonardo Benevolo: Die Geschichte der Stadt, CAMPUS, Frankfurt 2007
  • Richard Florida: Who's Your City? How the Creative Economy Is Making Where to Live the Most Important Decision of Your Life, Basic Books, New York, 2008
  • Alexander Mitscherlich, Thesen zur Stadt der Zukunft, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt am Main, 1971
  • Neuwirth, R, Shadow cities: A billion squatters, a new urban world, Routledge, New York, 2006

 

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