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Kreativer Kapitalismus
Arbeit und Bildung in der kommenden Talent-Ökonomie
Dieser Vortrag nimmt Bezug auf die aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten.
Er entwickelt eine realistische Vision des Wandels in die Wissensgesellschaft, inklusive der „sozialen Frage”.
Im Zentrum steht der Übergang der Arbeitsformen von der Industriearbeit zur Flexibilitäts-Welt.
Wie können wir die neue Freiheit der Arbeit für eine „Kultur der Emanzipation” nutzen, anstatt uns vor ihr zu fürchten?
Wie müssen wir unsere Bildungs-Syteme verändern, um dauerhafte gesellschaftliche Spaltungen zu verhindern?
Welche Gesellschaftsform könnte den industriellen Kapitalismus ablösen – und dabei unseren Wohlstand garantieren?
Die Begriffe „Informationsgesellschaft” oder der von Daniel Bell entwickelte Begriff „Postindustrielle Ökonomie”
greifen ebenso zu kurz wie der Topos „Wissensökonomie”.
Denn ALLE Gesellschaften sind – auf ihre jeweilige Zeit bezogen – „Wissensgesellschaften”.
Der entscheidende Produktionsfaktor der Zukunft heisst vielmehr Kreativität.
Die Globalisierung treibt uns nicht aus dem Haus, sondern die Treppe empor.
Während klassische Produktionsarbeit in die Schwellenländer auswandert oder an Maschinen delegiert wird, steigt die Komplexität unserer Produkte und Dienstleistungen.
Design, Erlebnis, Systembeherrschung, Transformationsprozesse ersetzen den alten Produkt-Wert.
Die zentralen Produktionskräfte werden nun nicht mehr durch Fleiß, Ausdauer und Gehorsam –
die Tugenden der Industriewelt – sondern durch Individualität, Kooperationsfähigkeit und Diversität gekennzeichnet.
Die Arbeitswelt von Morgen.
Durch die ständige Komplexitätsentwicklung von Arbeit entstehen Neue Arbeitskulturen:
In der hochproduktiven Fabrik der Zukunft verdient der „High Skill Worker” seinen – im Weltmaßstab hohen –
Lohn nicht mehr durch Muskelkraft und Ausdauer, sondern durch Kooperations- und Technologie-Talent.
In der „Service Class” sammeln sich die neuen Dienstleister; teil in prekären, teils in enorm aufwärtsmobilen Jobs.
Ein immer größerer Anteil von Menschen versucht, als „Life Balance Worker” zwischen Arbeit und Leben,
Familie und Beruf neue Balancen zu finden. Generell entwickelt sich eine Drift vom „Organization Man”,
dem lebenslang männlichen Festangestellten, hin zur „Kreativen Klasse”.
Die Kreative Klasse bildet die Kernschicht der kommenden Arbeitswelt.
Der amerikanische Soziologe Richard Florida hat in zahlreichen Untersuchungen die Bedeutung und Ausweitung der „Kreativen Klasse” beschrieben.
Dieses wachsende gesellschaftliche Segment bleibt keinesfalls auf Künstler- oder Bohemientum beschränkt.
Im Milieu der Creative Class bildet sich vielmehr ein neuer Arbeits- und Lebensethos heraus,
dessen Funktion der des Bürgertums im revolutionären 18. Jahrhundert entspricht. Ob wir „Kreative” sind,
können wir in einem kleinen Kreativtest selbst entscheiden.
Netzwerke sind effektiver als Hierarchien.
Unternehmen des Industriezeitalter zeichnen sich durch raffiniert abgestufte Hierarchien aus, die von hoher Effizienz geprägt sind.
In der klassischen Produktions-Ökonomie macht dies Sinn, geht es doch darum, durch Kontrolle und Kommando „möglichst viel vom Gleichen” zu erzeugen.
In einer komplexeren Umwelt steigen jedoch die Transaktionskosten innerhalb der Hierarchien steil an, was zu eskalierenden Krisen und organisatorischen Brüchen führt.
Adaptive Netzwerke – und ihre meta-strategische Führung –
sind deshalb die evolutionäre Konsequenz der Unternehmensentwicklung.
Neue Sicherheiten entstehen durch „Sozio-Synthesen”.
In der ideologisierten politischen Debatte wird soziale Gerechtigkeit auf die Frage „Mehr Staat oder weniger Staat” reduziert.
Doch soziale Sicherheit kann in Zukunft nur durch neue Sozio-Synthesen entstehen –
effektive Kooperationsformen zwischen Staat, Zivilgesellschaft, Unternehmen und einem aktiven Individuum.
In Employability, Flexicurity und Workfare- Programmen lassen sich Freiheit und Sicherheit neu re-kombinieren.
Jeder hat ein Talent, in dem er zur Hochbildung gelangen kann!
Die moderne Neurobiologie hat den Prozess des personalen Lernens entschlüsselt – den so genannten Coping-Prozess.
Menschen lernen und wachsen, indem sie Herausforderungen meistern und dadurch ihre Ängste bewältigen.
Dabei hat jeder Mensch bestimmte individuelle Anlagen, die er via Leidenschaft und Training zu Könner- oder gar Meisterschaft entwickeln kann.
Unser industrielles Bildungssystem bleibt jedoch einem alten Klassenmodell verpflichtet,
in dem Fähigkeiten und Bildungswege künstlich auseinandergerissen werden, in der Fremdwissen statt Selbstlernen vorherrschen.
Wir brauchen „Humboldt 2.0” – ein aufwärtsmobiles, an den individuellen Fähigkeiten orientiertes Bildungsmodell,
das heute in vielen Ländern Konturen anzunehmen beginnt. Im Zusammenspiel von neuen Arbeitsorganisationen und neuen Bildungs-Systemen
entwickelt sich die Könnens-Gesellschaft, in der nicht mehr das Kapital, sondern das Talent im Zentrum des ökonomischen Strebens steht.
Bücher zum Vortrag:
 Das Buch des Wandels
Wie Menschen ihre Zukunft gestalten
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 Wie wir leben werden
Dieses Buch erzählt die Geschichte von zwei Kindern, die im Jahr 2000 geboren wurden.
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Weitere Schlüsselliteratur:
- Edward de Bono, Serious Creativity. Harper Collins Publishers, London 1992
- Michail Csikszentmihalyi, M. 2007, Kreativität: Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. Klett-Cotta.
- Stephan A. Jansen, N. S. 2009. Rationalität der Kreativität? Multidisziplinäre Beiträge zur Analyse der Produktion, Organisation und Bildung von Kreativität,
Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden, 2009, darin: „Creativity as Artificial Evolution”, von Dirk Baecker.
- Richard Florida, The Rise of the Creative Class: and how it’s transforming work, leisure, community, & everyday life, Basic Books USA, 2002.
- Daniel Pink, A whole new mind: Why right-brainers will rule the future, Riverhead Books, New York, 2005., siehe auch „Unsere Kreative Zukunft”, Riemann Verlag 2010
- Reich, RB, The Future of Sucess: Wie wir morgen arbeiten werden, Piper-Verlag, München, 2004.
- Christine Ax, Die Könnensgesellschaft – mit guter Arbeit aus der Krise, Rhombos-Verlag, Berlin 2009
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