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Die Macht der Megatrends
Die Megatrends Urbanisierung, Mobilität, Globalisierung, Gesundheit, New Work und Wissensgesellschaft – eine Übersicht über die wichtigsten Megatrends des 21. Jahrhunderts
Was ist ein Megatrend?
Der Begriff der „Megatrends” wurde im Jahre 1982 von John Naisbitt geprägt,
der mit seinen Welt-Bestsellern „Megatrends” und „Megatrends 2000” die Begriffswelt der modernen Zukunftsforschung prägte.
Im Unterschied zu kurzfristigen Mode- und Konsumtrends oder soziokulturellen Trends, die maximal 5 Jahre Wirkkraft entfalten können,
stellen Megatrends die „Blockbusters” der Veränderung dar.
In ihnen bündeln sich starke, auf ökonomischen und soziokulturellen Grundwellen basierende Veränderungskräfte.
Naturgemäß sind Megatrends nicht sehr häufig, und auch nicht sehr „geheim”.
In der modernen Trend- und Zukunftsforschung arbeitet man heute mit etwa 15 Megatrends, wobei die „Namings” und Gewichtungen von Institut zu Institut leicht variieren können.
Vier Parameter gelten im Allgemeinen als Bedingungen für einen Megatrend:
- Dauer: Ein Megatrend sollte mindestens über 30 Jahre Halbwertszeit verfügen, bis er seinen Zenit erreicht.
- Ubiquität: Ein Megatrend bildet Signale in allen Lebensbereichen, er ist „allgegenwärtig” und entwickelt Signifikanten in Konsum, Ökonomie, Lebenswelt etc.
- Universalität: Ein Megatrend hat einen grundlegend globalen Charakter, auch wenn er sich in den verschiedenen Regionen und Kulturen unterschiedlich schnell durchsetzt.
- Robustheit: Ein echter Megatrend verträgt auch Backlashs, also vorübergehende Rückschläge, ohne seine Dynamik zu verlieren.
Megatrend Globalisierung
Globalisierung ist kein neuer Prozess. Die Menschheit ist vor 100.000 Jahren in Afrika aufgebrochen, um den Planeten zu erwandern,
der gesamte Prozess der Zivilisation ist in gewisser Weise ein einziger Globalisierungsprozess.
Die europäischen Eroberungen nach dem 15. Jahrhundert markieren die erste dynamische Phase der Globalisierung,
die zweite Phase begann um 1900, mit dem Aufblühen des Welthandels. Heute sprechen wir von der dritten Phase der Globalisierung.
Wir befinden uns wieder auf einem „level playing field” mit anderen Nationen und Kontinenten.
Dies führt zu einem rasch steigenden Wohlstand in vielen Schwellenländern.
Die rapiden Fortschritte in der Mobilitätstechnik – Passagier- und Güterverkehr –
und die explosionsartige Entstehung eines „Weltmediums”, dem Internet, beschleunigen nun diese Prozesse weiter.
Globalisierung hat, wie alle Megatrends, eine mehrschichtige Bedeutung, die hier allerdings besonders stark ausgeprägt ist.
Ökonomisch bedeutet sie die Entstehung „nahtloser” Weltmärkte – trotz aller Handelsbeschränkungen.
Durch Outsourcing, Open Sourcing, Offshoring und Supply-Chaining bilden sich neue, globale Wertschöpfungsketten;
die wirtschaftliche Macht wandert in die Hände der Global Player. SozioPOLITISCH bedeutet dies ein Verblassen des Nationalstaates.
Gleichzeitig werden die Bürger des Westens immer mehr mit „Weltangelegenheiten” konfrontiert –
was zu einem starken Evolutionsdruck auf die Weltorganisationen führt. UNO, NATO und andere Global-Organisationen (z.B. die NGOs) gewinnen langfristig stark an Bedeutung.
Globalisierung hat aber auch starke kulturelle Aspekte. Medien wie Fernsehen, Film und Musik werden schon seit vielen Jahren globalisiert
(Weltmusik, Hollywood, Bollywood, internationale Fernsehformate). Gastronomie und Tourismus tragen weiter zu einer Vernetzung und Multi-Kulturalisierung bei –
allen Turbulenzen und zeitweisen Rückschritten zum Trotz. Nicht zuletzt ist Globalisierung auch ein mentaler Prozess.
Charles Darwin schrieb:
Während die Menschen in der Zivilisation fortschreiten, und kleine Stämme in größere Einheiten verschmelzen,
sagt ihnen die Vernunft, dass sie ihre sozialen Instinkte und Sympathien auf alle Menschen ausdehnen sollten, selbst wenn sie persönlich nicht mit ihnen bekannt sind.
Megatrend Mobilität
Während in der agrarischen Kultur die Mehrheit der Menschen niemals ihre Region verließ, nimmt seit der Industrialisierung die
körperliche Mobilität der Weltbewohner ständig zu. Doch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu jener „Massenmobilisierung”,
die auch normale Bürger zu Weltreisenden machte. Seitdem steigen die weltweiten Tourismuszahlen ständig:
In nur 15 Jahren verdoppelte sich, trotz Terrorismus, der weltweite Flugverkehr. Auch die Bewegungen von Automobilen und Zügen nehmen ständig weiter zu.
In den kommenden Jahrzehnten werden die Bewohner der „Climber States”, der aufstrebenden Schwellenländer, mit dem Reisen beginnen:
20 Millionen Chinesen wollen derzeit Europa bereisen, auch in Indien entwickelt sich ein kaufkräftiges und reisewilliges Bevölkerungspotential.
Mobilität hat, neben ihrer Bedeutung für den weltweiten Tourismus, eine zweite, noch wichtigere Dimension: Soziale Mobilität.
Diese Entwicklung steht in starkem Zusammenhang mit den soziographischen Trends (Individualisierung, Frauen, Downaging) und mit der Veränderung der Arbeits- und Bildungswelt.
Höhere Alltags-Mobilität bedeutet: Mehr Jobwechsel, mehr Wohnortwechsel, mehr Beziehungen im Leben, mehr Scheidungen; eine generell höhere Lebens-Komplexität.
Für diese META-Mobilität benötigen wir neue soziale Fähigkeiten, aber auch neue Architekturen, Services und Produkte.
Megatrend Stadt
Die Prognose der Vereinigten Nationen besagt, dass im Jahre 2030 54 Prozent der Weltbevölkerung, 3,9 Milliarden Menschen,
in Ballungsgebieten leben werden – heute sind es rund 48 Prozent. In den Schwellenländern entstehen derzeit rasch wachsende Riesenstädte.
In den westlichen Ländern, wo die Ballungsgebiete durch den demographischen Faktor eher stagnieren oder gar schrumpfen,
kommt es zu einer rapiden „Urbanisierung des Flächenraumes”. Technologien und verdichtete Verkehrsnetze führen zu einer weiteren Ausbreitung der urbanen Kultur.
Heute schon gelten bis zu 80 Prozent der westeuropäischen Länder (z.B. Belgien, Schweiz, Holland) als „vollurbanisiert”.
Dabei hält die Landflucht weiter an: Gerade die gebildeten und aufwärtsmobilen Schichten, aber auch die „Neuen Alten”, zieht es in den urbanen Raum.
Urbanität bedeutet mehr als nur das Entstehen von verdichteten Siedlungs-Konglomeraten mit erhöhter sozialer Problematik.
„Stadtluft macht frei” – diese Parole gilt auch im 21. Jahrhundert. Urbanität ist immer auch eine Verdichtung von Kultur:
Höhere Arbeitsteilung, komplexere Kulturformen, Multikulturalität. „Gelungene” Großstädte sind immer Schmelztiegel,
in denen neue Kulturformen und soziale Aufstiege geformt werden.
Die Stadtplanung der Zukunft wird sich auf vielfältige Art und Weise der Problematiken der Urbanisierung annehmen.
In China und anderen Drittweltstaaten beginnt derzeit der Bau so genannter NEO-CITIES: In ihnen werden Ökologie, Infrastruktur und Wohnformen auf komplexere Weise integriert,
als dies in der „industriellen Stadt” (mit ihren Segregationen in Wohnviertel/ Einkaufsviertel/ Industrieviertel) möglich war.
In den europäischen Städten beginnt eine ähnliche Entwicklung: Gewerbehöfe, Loft Living, intergeneratives Wohnen führen zu einer
Wiederbelebung des ursprünglichen urbanen Gedankens.
Megatrend Frauen
Die Kraft dieses Megatrends beruht nicht auf emanzipatorischen Gerüchten oder Meinungen, sondern auf einer Umverteilung.
Vor allem in den letzten 30 Jahren hat sich in fast allen OECD-Ländern eine atemberaubende weibliche Bildungsrevolution entwickelt.
Der Anteil der Abiturientinnen stieg in Deutschland auf heute etwa 55 Prozent aller Abiturklassen.
In derselben Zeit stieg der Anteil der weiblichen Studierenden von 19 auf 52 Prozent,
wobei in den Jahren 2000 bis 2002 die Anzahl der weiblichen Studienanfängerinnen die der männlichen zum ersten Mal überstieg.
Dieser Prozess zu „weiblichem Bildungsvorsprung” lässt sich in allen europäischen, aber auch in vielen Schwellenländern feststellen.
Diese Entwicklung hat starke Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik, Konsum und die gesellschaftlichen Kontrakte.
Beide Geschlechter haben nun Lust und Anspruch auf ein Berufsleben. Beide kämpfen mit dem Problem der Work-Life-Balance, der Balance zwischen der Karriere und der Familie.
Die „Neuverhandlung” zwischen Mann und Frau wird uns die nächsten Jahre hindurch massiv beschäftigen – und unsere Lebenswelt nachhaltig verändern.
Megatrend Individualisierung
In der traditionellen Gesellschaft ist der Einzelne von den Institutionen Kirche, Staat und Familie vollständig definiert.
Er wächst in traditionellen Rollen und lebenslangen Selbst-Definitionen auf. Durch Wohlstand, Bildung und Mobilität kommt es zu einer Erhöhung der Wahloptionen,
die dem Einzelnen zunehmende Selbstdefinitions-Macht geben.
Individualisierung lässt sich besonders gut an den Haushaltzsstrukturen ablesen, die sich immer weiter differenzieren.
Im Jahre 1900 prägte die Großfamilie die Gesellschaft – 70 Prozent aller Menschen lebten in dieser Haushaltsform.
In den 60er Jahren bildete die Ein-Kind-Kleinfamilie das dominante Zentrum der Haushaltspanels. In Zukunft wird es immer schwieriger, einen „Normhaushalt” zu definieren.
Wir werden in einer immer größeren Vielfalt von Alltagsstilen und Familienformen leben. Und immer mehr neue Formen kommen hinzu:
- Distanzpaare („Living Apart Together”, LATS)
Hier handelt es sich prinzipiell um Singles, allerdings mit einer starken Partnerbindung, die über zwei Haushalte verfügen.
Mehr als zwei Millionen Paare in Deutschland leben bereits so.
- Kinderlose Paare
Die Zahl der kinderlosen Paare hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten bei sinkenden Geburtenraten in vielen europäischen Ländern (Italien 1,15, Spanien 1,2) stark erhöht.
- Homosexuelle Paare
Die geschätzte Zahl der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften steigt schnell. Durch die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz wird das "outen" immer leichter.
Die Folge sind stark wachsende Zahlen definitiv homosexueller Haushalte, mit hohem Einkommen.
- Alleinerziehende mit Kindern
Die Zahl der "Ein-Eltern-Familien" wuchs in den 90er Jahren um 360.000 auf 1,8 Millionen - 17,5 Prozent der Gesamtfamilien (Deutschland).
Neuerdings zeichnet sich auch ein starker Trend zu allein erziehenden Vätern ab (350.000 in D. im Jahr 2000).
- Patchwork-Familien
Erhöhte Scheidungsraten erzeugen einen zweiten Heirats- bzw. Bindungsmarkt.
Auf diese Weise entstehen „Multi-Familien” mit Kindern aus mehreren Ehen oder Partnerschaften.
In den USA lebt bereits jedes dritte Kind in einer solchen Patchwork-Familie, in Europa jedes vierte oder fünfte (je nach Land).
- Neue Mehrgenerationsfamilien
Viele Frauen mit Kindern ziehen im Falle einer Trennung wieder zurück zu den Eltern.
Die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen führt zu einer verstärkten Nachfrage nach Kinderbetreuung,
die neben einer Professionalisierung dieser Dienste eine ”Renaissance der Großeltern” einleitet.
Megatrend (Down)Aging
Die durchschnittliche Lebenserwartung Europas lag vor 100 Jahren bei 43 Jahren, sie wird im Lauf des 21. Jahrhunderts auf über 90 Jahre steigen.
In allen Ländern der Erde, mit Ausnahme einiger GUS-Länder und der Bürgerkriegsgebiete Afrikas,
erweitert sich die menschliche Lebensspanne im statistischen Durchschnitt um 6 bis 7 Wochen pro Jahr!
Das bedeutet, dass ein heute geborenes japanisches Mädchen im Schnitt 95 Jahre alt werden wird.
Dieser Prozess führt aber nicht, wie das in den Medien zumeist dargestellt wird, zu einer „Vergreisung” der Gesellschaft.
Es entwickeln sich vielmehr neue Lebensmuster, die eher eine Verjüngung des Verhaltens, der Wertesysteme und der inneren Einstellung bedeuten.
Während im industriellen Zeitalter die meisten Menschen eine dreiteilige Biographie durchlebten, mit den rigiden Grenzen „23” und „60” (Heirat und Ruhestand),
erweitern und „fraktalisieren” sich in der Wissensgesellschaft die Lebensläufe. Wir müssen (und können) unser Leben viel bewusster gestalten als jemals zuvor.
- Postadoleszenz
Zwischen Jugend und den „Ernst des Lebens” schiebt sich eine Experimentierphase, in der man reist,
sich selbst verwirklicht und beruflich und in Sachen Bildung mehrfach umorientiert.
Erlernt wird auch die „serielle Monogamie” als Beziehungskonzept der modernen Gesellschaft – Treue zum Partner, aber „hintereinander”.
- „Rush Hour”
Jener Lebensabschnitt, in dem der Konflikt zwischen Beruf und Familie besonders verstärkt ist.
Wir wollen nun gleichzeitig Karriere machen, aber auch Männer möchten sich mehr um ihre Kinder kümmern.
Das können wir in Zukunft auch anders gestalten – durch bessere gesellschaftliche Kontrakte („work-life-balance”),
durch andere Arbeitsformen und eine zeitliche Entzerrung der Biographie (die Kinder früher oder später bekommen).
- „Zweiter Aufbruch”
In einem Alter zwischen 50 und 60 kommt es zu einer Phase der Neuorientierung und Re-Positionierung.
Diese neue Phase ist ein Geschenk der Alterung an uns alle, eine Gabe der kulturellen Evolution, die uns ermöglicht, ein Leben mit anderen Horizonten und Chancen zu leben.
- Weisheitskultur
Wir können (und müssen) dem verlängerten Leben eine andere Perspektive geben.
„Weisheit” wäre der sinnvolle Zentral-Wert für eine Langlebigkeitskultur, in der wir unsere Persönlichkeiten auf ganz neue Weise entwickeln und reifen lassen können.
Damit entsteht eine ganz andere Sichtweise auf die Biographie – eigentlich müssten wir, um ihr verborgenes Muster zu erkennen, sie von rückwärts anschauen.
Donald Sutherland:
Das Leben sollte eigentlich mit dem Tod beginnen, und nicht anders herum. Zuerst gehst Du ins Altersheim, wirst herausgeworfen, spielst ein paar Jahre Golf,
kriegst eine goldene Uhr und beginnst zu arbeiten. Anschließend gehst Du auf die Uni und genießt das Studentenleben mit einem Haufen Lebenserfahrung.
Nach der Schule spielst Du 5, 6 Jahre, dümpelst 9 Monate in einer Gebärmutter und beendest Dein Leben als Orgasmus.
Megatrend Gesundheit
Gesundheit wird in der Zukunft eine völlig neue Bedeutung bekommen: Sie wird von einer „Eigenschaft” zu einer Ressource.
Der krisengeschüttelte Gesundheits-Sektor wächst zum Kern-Sektor der kommenden Ökonomie heran.
Rund um einen erweiterten Gesundheitsbegriff entwickeln sich neue, expandierende Märkte und Produkt-Welten,
vom Health-Food über Feng-Shui-Architektur bis zum neuen Fitness-Urlaub. Gleichzeitig wird der Gesundheitsbegriff umgedeutet:
Im Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft wird Gesundheit von „Abwesenheit von Krankheit”
zu einer Metapher für die geistig-physische Integrität des modernen Individuums.
Eine alternde Bevölkerung erzeugt einen Wertewandel hin zu mehr Gesundheitsvorsorge und einem aktiveren körperlichen Verhalten.
Neue Lebensqualitäts-Märkte entwickeln sich rund um die existentiellen Fragen der Gesundheit und der seelischen Integrität.
Nach dem Wellness-Boom beginnt eine zweite Phase, in dem Wellness von der „passiven Entspannung” zum aktiven „Empowerment-Lebensstil” wird.
Nun wird „Selfness” zum zentralen Begriff: Die Ausweitung der eigenen Gesundheits-Potentiale als neue Lebenskunst und Selbst-Kompetenz.
Die Alltagsmedizin erweitert ihren Raum durch die Integration von alternativen und „magischen” Heilmethoden in Richtung auf eine ganzheitlichere Sicht des Menschen.
In der staatlichen Gesundheitsversorgung beginnt ein harter Sanierungsprozess, der vom professionalisierten Krankenhausmanagement schließlich zum generellen Health Care Management führt.
Megatrend New Work – die neue Arbeit
Das klassische Bild von Arbeit ist in unserem Kulturkreis durch die industrielle Arbeit geprägt.
Diese war von hochgradiger Arbeitsteilung, hierarchischer Kommandostruktur und extremer Zeit-Disziplin geprägt.
Standardisierung – Spezialisierung, Zentralisierung, Synchronisierung (Alvin Toffler) .
Durch den immer höheren Anteil an Wissens- und Schöpfungsarbeit erhebt sich nun die Arbeit von den Plätzen;
sie wird „multimobil” und tritt aus dem Flussbett der alten Lohnarbeit hinaus.
Flexibilisierung
Arbeit verläuft in Zukunft nicht mehr in den Zeitschienen der industriellen Fertigung, die auf garantierten Absatzbedingungen und „genormten” Produkten basierte.
Arbeit wird in der Zeitachse „schwingen”: Sowohl in der eigenen Arbeitsbiographie, wo es zu unterschiedlichen zeitlichen Inputs im Verlauf der Biographie kommt (siehe Downaging),
als auch in der Arbeitsorganisation selbst, die sich zunehmend den volatilen Marktbedingungen anpassen muss.
Arbeitszeitkonten und individuelle Zeit-Verträge werden in Zukunft selbstverständlich sein.
Prekarisierung
In der Arbeitswelt der Zukunft wird der Selbstständigenanteil auf 25 Prozent steigen. 35 Prozent werden als Job-Hopper arbeiten.
Und nur die restlichen 40 Prozent arbeiten in 10 Jahren noch als Kernbelegschaften in traditionellen „lebenslangen” Arbeitsverträgen.
Diversity
Management-Entscheidungen sind in Zukunft von einer möglichst komplexen Zusammensetzung des Management-Teams abhängig.
Das Management differenziert sich in den Achsen Mann/Frau, jung/älter (erfahrener), Mehrheit/Minderheit (sowohl ethnisch als auch weltanschaulich).
Lebenswelt wird Arbeitswelt
Die Trennungen zwischen Leben und Arbeit werden diffus. „Work becomes Home, Home becomes Work” – das bedeutet,
dass Arbeit einen höheren Selbstverwirklichungscharakter aufweist, aber auch weniger Distanzierungmöglichkeit zulässt.
Das Netzwerk-Prinzip
Die Organisationsform der Zukunft ist das Netzwerk. Das gilt sowohl im privaten Bereich, als auch in den Firmenorganisationen:
Wer sein Netzwerk hegt und pflegt und es in seiner ganzen Komplexität und Dynamik, also auch in seiner Humanität zu steuern vermag, der bewältigt sein Leben.
Kooperativer Individualismus
In der Wissenskultur brauchen wir in hohem Maße Selfness, also Selbst-Kenntnis, Andersartigkeit und Kooperationsfähigkeit.
„Work in the future is the passion that can pay for itself!”
Charles Handy.
Megatrend Wissensgesellschaft
Die Technologie von morgen verlangt nicht Millionen von Leuten, die bereit sind, monoton-mechanische Tätigkeiten auszuführen,
sondern solche, die in der Lage sind, ihren Weg in einer neuartigen Umwelt zu finden.
Dieses Zitat des Zukunftsforschers Alvin Toffler sagt eigentlich alles über die Herausforderungen, die auf den Bildungssektor zukommen.
Unsere Schulen sind auf die Wissensgesellschaft nicht eingerichtet, sie „produzieren” immer noch industriell, im Sinne des „Skills”,
die man im Industriezeitalter benötigte.
Was sind die wichtigsten Fähigkeiten, die wir (oder unsere Kinder) in der Wissensgesellschaft benötigen?
- Eigenständigkeit
- Selbstkompetenz
- Teamfähigkeit
- Emotionale Intelligenz
- Kreativität.
Wie viele Menschen können in einer Gesellschaft hoch gebildet sein? In Kanada, Skandinavien und den USA studieren bereits 50 Prozent der Jüngeren,
in Neuseeland fast 70 Prozent, in Deutschland machen nur 19 Prozent einen Abschluss!
In Ländern wie Schweden verfügen bereits an die 35 Prozent der Gesamtbevölkerung über einen universitären Abschluss –
hierzulande sind es kaum 10 Prozent. Finnland hat 91 Prozent Abiturienten, 91 Prozent der 20jährigen haben eine Hochschulberechtigung in der Tasche.
Die Zukunft gehört der Hochbildungsgesellschaft. Aber Hochbildung in Zukunft heißt eben nicht mehr der Besitz eines „Titels” oder eines „Status’”.
Die Hochbildung der Zukunft befähigt zur permanenten Weiterentwicklung der Fähigkeiten, zur Ausbildung des eigenen Charakters.
Es gilt, sich von der Idee der „AUS-Bildung” und des AB-Schlusses” zu verabschieden. Und den Menschen als lernendes, neu-gieriges Wesen zu sehen.
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