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Technolution

Wie Mensch und Technik co-evolutionieren

Technologie prägt unsere Zukunft. Aber was prägt und verändert die Technologie? Warum lagen Technik-Prognosen so oft skurril daneben? In diesem bildreichen und amüsanten Vortrag wird eine treffsichere Methode der Technik-Prognose entwickelt, die auf den Prinzipien der Evolutionstheorie beruht. Das Thema eignet sich besonders für Technologie-Kongresse und IT-Branche, aber auch im Kontext allgemeiner methodischer Zukunfts-Betrachtung.


Eine kleine Floppologie

Die Botschaften gescheiterter Technik.
Die Geschichte der Technik ist auch die Geschichte ihrer Fehlprognosen: Weder leben wir heute in Raumstationen, noch schlucken wir Unsterblichkeitspillen oder fahren in Flugautos durch die Luft – das alles ist Zukunft von Gestern.

Anstatt diese Tatsache auf die zeitliche Unreife von Technologie zurückzuführen („Es ist noch nicht soweit”), sollten wir intensiver über die BEDINGUNGEN von Technik nachdenken.


Technik ist letztendes ein Produkt menschlicher Nachfrage, Teil einer „Sozio-Evolution”. Sie wächst oder scheitert in sozialen Umfeldern und menschlichen Bedürfnis-Kontexten. Oft werden diese Bedürfnisse jedoch falsch interpretiert oder schlicht ignoriert; Techniker und Ingenieure folgen einem linearen Technik-Verständnis, das allzu oft auf reiner Steigerungs-Logik basiert.

Mit Hilfe der Floppologie können wir mehr über dieses Phänomen erfahren. Dabei lässt sich technisches Scheitern in fünf Kategorien aufteilen:

  • Megaflops: Eine ganze Technologie erwies sich als unnütz und überflüssig. Beispiel: Städte unter Wasser. Hier handelte es sich um eine Fehleinschätzung von Umweltbedingungen.
  • Right Question, Wrong Answer: Eine spezifische Technik erweist sich als „Fehlbesetzung” für eine bestimmte Problemlösung: Beispiel: Druckluft-U-Bahnen, Zeppeline, Hovercraft.
  • Hypes: Hier werden kleine Marktnischen und technologische „Gimmicks” zu Riesenmärkten aufgeblasen.
  • Running Gags: MancheTechnologien erleben ihren Durchbruch immer 10 Jahre in der Zukunft – und dies schon seit Jahrhunderten! Hier handelt es sich meist um spektakuläre, „poetische” Techniken, wie etwa Roboter oder Flugauto.
  • Future Fades: Geräte/Applikationen erleben eine erfolgreiche Markteinführung, erweisen sich aber beim Gebrauch als eher problematisch, weil sich entweder das Werte-Umfeld gewandelt oder die ethischen Komplikationen unterschätzt wurden (Beispiel: Das finale Haarwuchsmittel / Robo-Doc).

Anhand der Geschichte des selbstfahrenden Autos, des Human-Roboters, des „Intelligenten Kühlschrankes” und der Video-Telefonie lässt sich erkennen, wie Technologie in fundamentalen Konflikt mit menschlichen Alltags-Grenzen und Komplexitäts-Schranken geraten kann. Daraus folgt: Nicht alles, was erfunden wird, wird auch ein Markt! Nicht jede Technologie, die ein Wunder erbringt, wird sich in der Zukunft auch durchsetzen!


Adaption und Exaption

Die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Technik.

Jede Technik entsteht aus dem Bedürfnis und Versuch, die Kontrolle über die Umwelt und die eigenen Handlungs-Optionen zu erhöhen. Es sind letztlich fünf menschliche Motive, die Technologien dabei „nach Vorne treiben”:

  • Mobilität: Das nomadische Erbe des Menschen lässt ihn alles, was der Mobilität dient, mit Neugier und Interesse betrachten. Mobilität ist immer auch das Versprechen höherer Autonomie.
  • Machtwünsche: Der Krieg ist nicht zufällig ein Technologie-Treiber par excellence....
  • Rationalisierung: Viele technische Entwicklungen haben ihren treibenden Faktor im Bedürfnis der Wirtschaft, ihre Produktionsmethoden zu verfeinern und effektiver zu machen.
  • Kontrolle: Die Kräfte der Natur zu kontrollieren und für die eigenen Zwecke nützlich zu machen ist schließlich ein weiteres elementares Motiv der Technik-Evolution.
  • Status: Viele Technologien verfügen heute über einen eigenen Ästhetik- und Kult-Aspekt, der ihren Besitz/ ihre Funktion/ ihren Besitzer begehrenswert macht. Darin spiegelt sich ein uralter „Bewunderungsaspekt” für diejenigen, die mit besonderen Fähigkeiten glänzen können...

Den Treiber-Kräften müssen wir nun die BREMSkräfte gegenübersetzen, mit denen die menschliche Kultur die Ausbreitung von Technik erschwert bzw. steuert:

  • Soziale Beharrungskraft: Menschen sind Gewohnheitstiere, die an einmal einstudierten Handlungen gerne festhalten.
  • Systemische Resistenz: In der technologischen Gesellschaft wurden gewaltige Summen in Infrastrukturen investiert, die sich erst amortisieren müssen, bevor neue Technologie durchsetzen kann (Magnetbahnen haben es schwer, weil die Investitionen in das existierende Straßen- und Schienensystem gigantisch waren...).
  • Kontrollverlust- und Komplexitäts-Angst: Technik macht uns stärker, schneller, unverwundbarer. Aber auch abhängiger und hilfloser...
  • Ethische Krisen: Technologie widerspricht immer wieder unseren humanen Grund-Überzeugungen, indem sie Tabu- oder Risioko-Grenzen überschreitet (Beispiel Gentechnik, Nanotechnik).

Aus der Wechselwirkung der Beschleunigungs- und Bremskräfte lässt sich nun ein dynamisches Exaptationsmodell der Technik entwickeln. Dabei wird Technologie von der meschlichen Kultur gebremst, geformt und „eingepasst”.


Die „ständige Beschleunigung der Technik” ist also ein Mythos, ebenso wie die Technik-Transzendenz-Utopie vergangener Zeiten. Technik verläuft vielmehr in Evolutionsbäumen, in denen die menschlich-soziale Sphäre die UMWELt darstellt.


Simplexity – Smarte Technologie der Zukunft.

Welche Kriterien muss Technik / Technologie in Zukunft erfüllen, um im Markt erfolgreich zu sein? Der Begriff SmartTech bezieht sich auf folgende Erfolgs-Kriterien:

  • Trainings-Effekt: Viele Technologien bringen einen unerwünschten „Protheseneffekt” mit sich – sie ENT-LERNEN genuin menschliche Fähigkeiten. Ein Turnschuh, der das Laufen für uns übernimmt, ein Sessel, der unseren Rücken massiert, führt zu immer mehr Rückenschmerzen und Laufproblemen. Gute Technik trainiert menschliche Fähigkeiten anstatt sie zu verkümmern.
  • Verlässlichkeit und Autarkie: Nicht nur in den Entwicklungsländern wächst die Nachfrage nach „robuster Technologie”, die gegen Ausfall von Teilsystemen gewappnet ist. Technologie benötigt Backup- und Redundanz-Systeme, um das Vertrauen in sie zu stärken.
  • Der Retro-Rekombinations-Effekt: Zukunftstechnologie wird in alten und bewährten Formen einherkommen, wobei analoge und digitale Funktionen verschmelzen.
  • „Rightsizing”: Die individuelle Modularisierung der Funktionen für den jeweiligen Bedarf und den individuellen User.
  • Sensuelle Technologie: Berühren heißt verstehen: Komplexe Technologie erfordert elegante Schnittstellen, die in sinnlichen ästhetischen Kategorien dem menschlichen Maß entsprechen.
  • Embedded Technologies: Technologie ist schließlich immer mehr Teil von Service-Umgebungen. Dazu kommen die sozialen Aspekte der Vernetzungs-Welt, in denen sich Wissen und Kompetenzen verbinden.

Bücher zum Vortrag:

Technolution

Wie unsere Zukunft sich entwickelt

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Literatur-Tipps:

  • John Naisbitt, HighTech-High Touch – Auf der Suche nach Balance zwischen Technologie und Mensch, Signum 1999
  • Donald A. Norman, Things that make us Smart – Defending Human Attributes in the Age of the Machine, Perseus Books, USA, 1999
  • Jeffrey Kluger, SIMPLEXITY – The simple Rules of a complex World. John Murray Publishing, London 2007
  • Donald MacKenzie, The Social Shaping of Technology, McGraw Hill London, 1999
  • Wiebe E. Bijker, Of Bicycles, Bakelites, and Bulbs: Toward a Theory of Sociotechnical Change, The MIT Press
  • George Basalla, The Evolution of Technology, Cambridge University Press, 1989
  • John Ziman, Technological Innovation as an Evolutionary Process, Cambridge University Press, 2003
  • James E. McClellan, Harold Dorn, Werkzeuge und Wissen, Naturwissenschaft und Technik in der Weltgeschichte, Rogner und Bernhard bei Zweitausendeins, Frankfurt 2001, S. 106
  • Stanislaw Lem, Summa Technologiae

 

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