Zukunfts-Zitate von Matthias Horx
Von A wie Angst bis Z wie Zukunft
Angst
Eine Gesellschaft geht dann unter, wenn das primäre Motiv für ihre Handlungen Angst ist.
Angst ist zu einer Art Leitwert unserer Kultur geworden. Dass KINDER sich von Angst leiten lassen, ist verständlich.
Erwachsene sollten dagegen gelernt haben, mit ihren Ängsten umzugehen.
Angsthasentum ist hierzulande ein medial geförderter Breitensport.
Alterung
Altern in der Industriegesellschaft hieß, langsam nichts mehr zu kapieren. Altern in der Zukunft bedeutet, langsam zu begreifen, wie es geht.
Es gibt in unserer Kultur immer mehr pubertierende 70jährige und frühvergreiste 18jährige.
Dass wir in Zukunft immer länger leben können, ist eine der großen Errungenschaften der Zivilisation.
Diesen Prozess als „Vergreisung” zu denunzieren heißt, ihn nicht verstanden zu haben.
Wir bleiben, während wir älter werden, immer länger jünger. Allerdings müssen wir etwas dafür tun!
Apokalypse
Der Apokalyptiker hat immer recht. Wenn der Untergang stattfindet, ist es sowieso egal.
Wenn er, wie immer, nicht stattfindet, lag es natürlich nur daran, dass der Prophet so gut gewarnt hat.
Arbeit
Die Ära des Arbeitsplatzes neigt sich dem Ende zu. PLATZ sagt man im 21. Jahrhundert zu seinem Hund, aber nicht mehr zur Arbeit.
Denn Arbeit wird in vielen Dimensionen „flüssig”, sie erhebt sich von den Plätzen.
Arbeit, das ist im 21. Jahrhundert jene wunderbar soziale, kreative, anstrengende Tätigkeit, für die wir obendrein auch noch Geld bekommen.
Wissen Sie, wie Ihr Beruf in 15 Jahren heißt? Wenn ja, ist das in Zukunft ein schlechtes Zeichen für eine erfolgreiche Karriere.
In Zukunft sind wir alle das Prekariat – aber das positive Prekariat. Denn es gibt auch immer mehr Menschen, für die Leben, Liebe, Arbeit und Selbstverwirklichung
näher aneinanderrücken. Und für die „lebenslang” nicht mehr eine Beschreibung für einen Arbeitsplatz, sondern eher ein Urteil für Schwerverbrecher ist.
Arbeit verliert seine strikte Bindung an Zeit, Bürosessel und Produktionsorte.
In der Wissens-Gesellschaft, wo Kreativität den entscheidenden Wirtschaftsfaktor darstellt, arbeitet man am besten beim Gärtnern, beim Joggen, beim intensiven Gespräch - in jedem Fall in Bewegung.
Bildung
Wir brauchen im 21 Jahrhundert einen neuen Bildungsbegriff. Bildung, das heißt in Zukunft kluge Fragen stellen können,
Zweifel willkommen zu heißen – und seine eigenen, individuellen Talente zu kennen.
Energie
Energie gilt als großer Krisenherd unserer Zeit. Aber das Universum ist voller Energie.
Wir stellen uns nur noch zu blöd an, vernünftig damit umzugehen.
Was sich in Zukunft verändert, ist gar nicht so sehr das Auto. Sondern die Tankstelle.
Bald gibt es so viele Zapfsäulen wie Automarken, und wir wälzen Hochglanzprospekte für Smart Fuels.
Gesundheit
Wir haben 200 Jahre gebraucht, um ein System aufzubauen, in dem wir Krankheiten mit gigantischem Aufwand und unter enormen Kosten verwalten.
Ich hoffe, wir schaffen wenigstens in 100 Jahren ein System, dass tatsächlich Menschen gesünder macht.
Andernfalls werden wir uns alle ruinieren.
Lernen
Das menschliche Hirn wurde von der Evolution als Lernmaschine konstruiert. Aber Lernen ist ein körperlicher, emotionaler, KOMMUNIKATIVER Akt.
Unsere Pädagogik hingegen übt Lernprozesse immer noch als militärische Exerzier-Logik.
Vorne steht einer und sagt den Kindern, was „wahr” ist. Die Kinder müssen stillhalten und auswendig lernen.
Kommt Ihnen das nicht völlig bescheuert vor?
Familie
In Zukunft leben wir alle in Patchwork-Familien.
Eigentlich ist das nichts Neues – Familie war immer schon die Organisation chaotischer Vielfalt und vielfältiger Netzwerke.
Unser Problem ist eher, dass wir der Familie einen Heiligenschein verpasst haben.
Die Familie ist so heilig, dass wir uns auf diesem Feld immer nur als Versager fühlen.
Globalisierung
Die Globalisierung ist der Grundimpuls der Menschheit. Wir sind Wanderer, wir sind Händler, wir sind Vernetzer.
Wir sind neugierig auf andere Menschen. Wer diesen Impuls abschaffen oder blockieren möchte, endet in Regression.
Individualität
Individualismus wird in unserer Kultur als etwas Negatives, Asoziales beurteilt.
Aber gerade in der Wissensgesellschaft brauchen wir mehr Individualismus denn je.
Der kluge Individualist weiss, dass man sich nur zusammen mit anderen, mit Respekt und Liebe, verwirklichen kann.
Innovation
Es gibt zwei Auffassungen von Innovation. Eine lautet SCHNELLER-MEHR-LAUTER-BUNTER.
Die andere lautet: Systemischer, menschlicher, eleganter.
Wir verwechseln Innovation immer noch mit dem Erfinden spektakulärer Dinge. Aber die Leute wollen überhaupt keine neuen Dinge mehr.
Sie wollen funktionierende, elegante Systeme, die ihnen ermöglichen, das zu tun, was Menschen eigentlich am besten können: Kreativ sein.
Man sieht sofort, ob eine Innovation Substanz hat oder nur ein FAKE ist, eine Schein-Innovation. Echte Innovationen bringen uns zum STAUNEN.
Sie lösen eine Art Schauder aus: Hier war die Evolution in Kombination mit menschlicher Intelligenz am Werk, und siehe da, sie gebar SCHÖNHEIT.
Klima
Die Klimakatastrophe ist die große Geschäftemacherei unserer Zeit. Nun kann man sogar schlechtes Wetter als Resultat des bösen Turbo-Kapitalismus verkaufen.
Konsum
Konsum in Zukunft wird immer weniger mit dem schlichten Erwerb von Dingen zu tun haben.
Sondern mit der Knappheit von Zeit und Aufmerksamkeit. Alle Konsummärkte werden Servicemärkte, und alle Ökonomie wird eine Zeit- und Aufmerksamkeits-Ökonomie.
Konsument
Wer dauernd fragt „Was will der Konsument?” hat offensichtlich nie mit ihm geredet.
Der Konsument wandelt sich zum Pro-Sumenten, der gerne bereit ist, den Anbietern auf die Sprünge zu helfen. Man muss ihm nur zuhören.
Lifestyle / Lebensstil
Wenn es einen metaphorischen Ort gibt für den Lebensstil des 21. Jahrhunderts gibt, dann ist es die Lounge.
Hier arbeiten, essen, schlafen wir und begegnen ständig neuen Leuten. Und jederzeit kann unser Anschlussflug aufgerufen werden!
Im Grunde ist „Lifestyle” eine Idee aus dem vergangenen Jahrhundert. Individuen sind in Zukunft gar nicht konsistent genug,
um einen Stil länger als bis zur nächsten Straßenecke aufrecht zu erhalten.
Die Zukunft gehört dem Stil-Mix, dem Lebens-Wandel, dem „Life-Morphing”.
Wir alle sind ein Puzzle, das sich aus verschiedenen Stilelementen, Weltanschauungen und Mind-Fraktalen zusammensetzt.
Und das ist gut so, denn auf diese Weise haben wir viele Puzzlesteine mit anderen gemeinsam.
Früher war das Leben ein vorgezeichneter Ablauf. Heute ist es eine Komposition. Das Problem ist nur, dass wir das Dirigieren nicht gelernt haben.
Luxus
Der wahre Luxus der Zukunft ist vernetzte Unerreichbarkeit.
Mobilität
Wir müssen lernen, Mobilität nicht nur als körperliche Bewegung von A nach B zu begreifen.
Mobilität in Zukunft ist META-MOBILITÄT – es geht um geistige, emotionale, mentale, kommunikative und soziale Mobilität.
Die Vehikel, die man dazu braucht, sind nur teilweise Autos, Flugzeuge und Eisenbahnen.
Optimismus
Ich vertrete einen illusionslosen Optimismus. Die Welt ist nicht gut. Aber sie kann besser werden.
Jedenfalls wenn wir aufhören mit dem klischeehaften Denken über die Zukunft.
Prognosen
Alles, was geschehen ist, ist auch vorhergesagt worden. Aber gelungene Prognosen machen keine Schadenfreude.
Deshalb gelten Zukunftsforscher grundsätzlich als Versager. Ich kann damit leben, weil man beim Rechthaben nicht immer beobachtet werden muss.
Technologie
Ich liebe Technologie. Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass die Technologiefirmen Menschen lieben.
Deshalb konstruieren sie unentwegt Technologie, die uns bevormundet, nervt oder schlichtweg überfordert.
Viele träumen von intelligenten Kühlschränken, Kleidern oder Autos. Ich wünsche mir hingegen Technik,
die verlässlich blöd genug ist, um mir mehr Kreativität zu ermöglichen.
Das Problem mit der Technik ist ihr „prothetischer Effekt”. Sie nimmt uns Mühe ab, sie „verwöhnt” uns,
und damit lässt sie bestimmte menschliche Fähigkeiten auch verkümmern.
Ich träume von einer Technologie, die die menschlichen Fähigkeiten eher trainiert als verkrüppelt.
Ich nenne das „HOMOTECH” – Technik zum Menschwerden.
Trend
Jeder Trend erzeugt einen Gegentrend, der oft viel interessanter ist als der Haupt-Trend,
von dem sich ja alle schnell ein so großes Kuchenstück abschneiden wollen, dass ihnen zwangsläufig schlecht wird.
Trendforschung
Trendforschung hat nicht die Verkündigung von Trends zum Ziel, denen dann alle hinterher rennen sollen.
Trendforschung heißt, dass wir uns – unsere Firma, unser Produkt, unsere Strategie –
kritisch mit den Veränderungsprozessen in Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur konfrontieren.
Und daraus unseren eigenen evolutionären Pfad entwickeln – der uns vom Mitbewerb deutlich unterscheidet und uns einen Meilenschritt nach Vorne bringt.
Utopie
Meine Utopie ist eine Gesellschaft, in der nicht die Utopie eine Utopie ist, sondern die gelungene Veränderung selbst.
Vision
Wer eine realistische, authentische, kluge Vision hat, braucht keinen Arzt.
(Bezieht sich auf den Spruch: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen” des ehemaligen deutschen Regierungschefs Helmut Schmidt (aus dem Bundestagswahlkampf 1980),
verwendet unter anderem auch vom ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky).
Wandel
Wandel ist nicht sinnlose Beschleunigung. Sondern ein zunehmendes Gestaltungs-Bewusstsein über die Welt.
Werte
Alle rufen nach Werten. Aber auch Werte wandeln sich mit der Zeit. Sie unterliegen wie alles andere den Megatrends der Globalisierung, Individualisierung und Feminisierung.
Unsere Zukunfts-Werte werden weiblicher, individueller und globaler.
Die meisten Menschen, die lautstark nach Werten rufen, fordern in Wirklichkeit nur Normen, die ihnen genehm sind.
Echte Werte hingegen entwickeln sich in einem andauernden Verständigungsprozess zwischen Menschen über das, was gut für die Gemeinschaft ist.
Diesen Prozess kann man nur mit Vorbildhaftigkeit und Beispiel voranbringen – indem man die eigenen Werte ständig infrage stellt.
Wissen
In der Wissensgesellschaft ist nicht das Wissen das Problem, sondern das Ent-Lernen alter Gewiss- und Gewohnheiten.
Wissensgesellschaft/ -ökonomie
Eine Wissensökonomie erkennt man daran, dass man in ihr nicht mit Wiederholung und der Produktion des Gleichen sein Geld verdient, sondern mit der Erzeugung von Unterschieden.
Ich glaube, dass die Wissensgesellschaft den Platz jener Utopien einnehmen könnte, die früher von den politischen und sozialen Visionen ausgefüllt wurde.
In der Wissensökonomie kann das, was durch industrielle Kultur auseinandergesprengt wurde, wieder zusammengefügt werden.
Arbeit und Leben, Lernen und Spiel rücken wieder in einen natürlichen Zusammenhang. Mehr Freiheit, bei mehr Integrität.
Das wäre das typische Merkmal einer Renaissance; einer Epoche, in der die zivilisatorische Entwicklung einen Komplexitäts-Sprung macht.
Weltuntergang
Der Weltuntergang ist der Größenwahn der Depressiven.
Zivilisation
Die Zivilisation ist das Ergebnis jener Art von Scheitern, das uns klüger macht.
Ich glaube fest an eine zivilisatorische Evolution, die uns von der Jäger- und Sammler-Gesellschaft über die Agrar-Kultur
und die Industriegesellschaft bis in die Wissensgesellschaft führt. Dabei kann es immer wieder Rückschläge geben,
wir können uns verirren oder im Morast stecken bleiben. Aber die Richtung bleibt trotzdem gleich.
Zukunftsdenken
Ich schlage eine Haltung vor, die Zukunft als evolutionären Prozeß sieht.
Evolution hat immer vier Optionen: Adaption, Selektion, Re-Kombination und Extinktion.
Das Resultat dieser im Grunde harten und einfachen Prinzipien ist immer phantastisch.
Zukunftsforscher
Ich sehe die Aufgabe des Zukunftsforschers nicht so sehr darin, etwas zu prophezeien, zu prognostizieren.
Es geht darum, die Zukunft als eine gestaltbare Aufgabe dazustellen. Das ist hierzulande schon eine Titanenaufgabe!
Zukunftsforscher sind, wenn sie ihren Job gut machen, Anwälte der Evolution und der Komplexität.
Das heißt, sie müssen sich vor Vereinfachungen, Klischees und dummen Theorien hüten.
Zukunft
Wir können uns die Zukunft immer nur als Apokalypse, Konsumhölle oder absurden Comic-Strip vorstellen.
Wenn wir aber einmal dort sind, wird sie sich als ganz normaler Ort zum Lieben, Heiraten, Autofahren und Kinderkriegen erweisen.
Die radikalsten Veränderungen betreffen die Blickwinkel, mit denen wir auf die Welt schauen.
Zuerst haben wir die Welt aus der Höhle betrachtet, später aus dem Dorf und dann aus der Fabrik.
Heute blicken wir im Grunde alle aus dem Weltraum auf die Erde. Kein Wunder, dass uns bisweilen schwindelig wird.
Die Zukunft versteht man nur, wenn man mit Geschrei, Gejammer und dem Übertragen der Verantwortung an Andere aufhört.
Ich habe festgestellt, dass die Menschen sich gar nicht wirklich für die Zukunft interessieren.
Sie interessieren sich eher für die Verlängerung der Vergangenheit ins Morgen. Genau das aber hat die Zukunft nicht im Programm.
Es gibt nur zwei Gründe für Zukunftsforschung: Die Gegenwart besser zu verstehen, und dem Bewusstsein auf eine höhere Stufe zu verhelfen.