Matthias Horx  Trend- und Zukunftsforscher

Das kleine Wörterbuch der Trend- und Zukunftsforschung

Trendforschung

definieren wir als die Wissenschaft der Wandlungs-Systeme. Diese Wandlungssysteme können kurz- oder langfristig sein, sich in Teilsystemen verorten (Börse, Konsum, Marketing) oder in großen, komplexen Veränderungswellen ausdrücken (Kondratieffs, Epochen- und Zivilisationsmodelle). Wichtig ist, dass der Fokus der Analyse immer in der Gegenwart liegt. Denn nur so lassen sich genügend valuierte Daten über die Prozesse gewinnen, von denen Trendforschung handelt. In gewisser Weise ist Trendforschung also Gegenwartsforschung.

Der Begriff der Trendforschung ist heute vor allem deshalb problematisch, weil er in der öffentlichen Wahrnehmung in einen bloßen Mode-Begriff abgerutscht ist. Unter "Trends" werden im Boulevard, aber auch in großen Teilen der öffentlichen Wahrnehmung, heute vor allem Mode- und Konsumphänome der oberflächlichsten Kategorie verstanden (siehe auch Trend-Opportunismus).

Zukunftsforschung

definieren wir als die Wissenschaft der Auswirkungen von Wandlungsprozessen im Zeitverlauf. Das heißt: Hier werden mögliche Implikationen der Trends auf  Zukunfts-Zustände untersucht. Was-wäre-wenn dieser Trend sich fortsetzt/ abbricht/ sich variiert? In diesem Sinne ist Zukunftsforschung immer spekulativer, "freier" als die Trendforschung, obwohl sie in der öffentlichen Wahrnehmung als "seriöser" gilt als die Trendforschung.

Delphi-Methode

Beliebt wird heute auch wieder eine Methode, die in der Futurologie der 60-er Jahre bereits eine wichtige Rolle spielte. Beim so genannten Delphi-Verfahren schaltet man ein Kollektiv von bis zu 1.000 Fachleuten zusammen, um ihnen prognostische Fragen zu stellen, und zwar in mehreren Fragewellen, bis ein weitgehender kollektiver Konsens erzeugt ist. Hier geht es zum Beispiel um die Frage, wann eine bestimmte technische Erfindung ihren Durchbruch erlebt oder wie sich bestimmte politische Phänomene auf die Zukunft der Gesellschaft auswirken.

Das Fraunhofer-Institut arbeitete wiederholt mit dieser Methode, und das deutsche Bundesforschungsministerium hat einen großen Delphi Prozess eingeleitet. Durch die Möglichkeiten des Internet lässt sich diese Methode verfeinern. Allerdings hat die Delphi-Methode auch Nachteile.

Oft werden die prognostischen Ergebnisse durch die Interessen der Befragten verfälscht; durch die Einengung auf Fachleute erfolgt eine "Tunnelung". Befragt man etwa die Stammzellenforscher, wann die Durchbrüche in der Stammzellenforschung stattfinden, werden sie diese immer zu früh angeben –womöglich auch aus Interesse an mehr Forschungsgeldern! 

"Future Fitness" oder Zukunfts-Bewusstheit

Das eigentliche Ziel der Trend- und Zukunftsforschung ist nicht so sehr die zielgenaue "Vorhersage", sondern die Herstellung einer "Kontextlogik" in Bezug auf die Zukunft.
Unternehmen, Organisationen und Individuen sollen dazu befähigt werden, das prozesshafte an ihrer Entwicklung zu erkennen, zu verstehen – und damit besser zu steuern.

"Future consciousness ist the total set of psychological abilities, processes, and experiences that humans use to understand and deal with the Future."
 Tom Lombardo, "The Futurist", 1/2006

Zukunfts-Bewusstheit ist die Gesamtheit der psychologischen Fähigkeiten, der Prozesse und Erfahrungen, die Menschen dazu nutzen, mit der Zukunft umzugehen.
(siehe auch Literaturhinweise).

Future Studies

Engl. Begriff für einen besonderen, objekt- und anwendungsbezogenen Bereich der Trend- und Zukunftsforschung. An einigen Universitäten kann man "Future Studies" als Technik und Methode studieren. Zum Beispiel:

Futurologie

Dieser etwas in Vergessenheit geratene Begriff geht auf Ossip K. Flechtheim zurück, der ihn im Jahre 1943 als Sammelbezeichung für die "Zukunftswissenschaften" definierte.

Geschichte der Zukunftsforschung:

Neben den Zeichendeutern, Zauberern, Zungensprechern, den Nostradamussen und Astrologen, die seitdem unser mediales Universum bevölkern, gab es immer auch schon säkulare Versuche, etwas über das Kommende zu erfahren. Eines der Bekanntesten ist das Orakel von Delphi, das fälschlicherweise nur für seine magische Inszenierung (heute würde man sagen "Event-Charakter") bekannt wurde. Aber Delphi war weit mehr als nur die berühmte Pythia, die auf einem Dreistuhl über einer Felsspalte sitzend, unverständliche Laute ausstieß. Delphi war eine Art Geheimdienst, ein Think Tank, ein McKinsey der Antike. Ein wohlhabender Priesterorden sammelte im Tempel des Apoll mehr als 400 Jahre lang das Wissen der hellenischen Welt und formte daraus mal politische, mal profane Ratschläge, die von Staatsmännern und Bürgern immer wieder gerne in Anspruch genommen wurden.

Im Römerreich wurde das "auspicium" zu einiger Perfektion entwickelt - die Vorhersage der Zukunft durch die Beobachtung der Vögel. Die Vogel-Kundigen, die Auguren, lasen am Flug- und Zugverhalten Klima- und Ernteerwartungen, aber auch kommende Kriege ab; eine Institution, die sich in Varianten bis ins Mittelalter hinein hielt.

Auch der Staat der Neuzeit hat immer wieder große Mittel in die Zukunftsforschung investiert. In der Sowjetunion der 50er Jahre war "planerisch-marxistischer Utopismus" der letzte Schrei. Die USA investierten derweil Milliarden Dollar in Zukunfts-Think-Tanks wie die Rand Corporation, deren 3.000 Angestellte besonders an der Zukunft des (Kalten) Krieges forschten, und deren Chef-Augur Hermann Kahn, ein fröhlicher 180-Kilo-Utopist, die Menschheit mit Provokationen zur Machbarkeit des thermonuklearen Krieges verunsicherte.

Heute gibt das deutsche Forschungsministerium Millionen für einen "Futur"-Prozess aus, der gesellschaftlich-technologische Visionen für das 21. Jahrhundert erarbeiten soll. Auch in Österreich haben sich zahllose Zukunfts-Zirkel-Initiativen- und -Wettbewerbe gebildet; ein ganzes Ministerium, das Bildungsministerium wurde mutig und vielleicht etwas voreilig zum "Zukunftsministerium" umbenannt.

Kontextanalyse

Hier geht es um die Benennung, Analyse, Deutung, Dokumentation und Kontextualisierung von Veränderungsphänomenen im Rahmen der Trendanalyse. Diese werden durch Statistiken, Studien oder kulturelle Ausdrucksphänomene (so genannte "Signifikanten") belegt und ausdokumentiert.

Trends können komplexen oder einfachen Charakter besitzen, sie können langfristig oder kurzfristig sein und auf bestimmten Ebenen Konsum, Gesellschaft, Lebensweisen, Globalität) etc. verlaufen. Berührt ein Trend mehrere solcher Ebenen und ist er sehr langfristig, sprechen wir von so genannten "Megatrends".

Andere Trendarten sind: Konsumententrends, Markttrends und kurzfristige Lifestyle-Trends.

Literaturhinweise

Eine Auswahl von Zukunftsbüchern können Sie hier ansehen (PDF-Format).

 

Moodboards

In der kreativen TrendGESTALTUNG angewandte Methode der Stil-Entwicklung. Hergestellt werden Stil-Collagen mit bestimmten "Überthemen", aus denen dann innovative Produkte entwickelt werden. Besonders die französischen Trend-Agenturen (Promostyle, Trend Union) arbeiten damit für den Mode- und Retail-Sektor. Die Methode findet aber auch Anwendung in den Branchen Automobil / Elektronik / Kommunikation (z.B. bei Nokia).

Prognostisches Paradox

Viele Prognosen erzeugen ein unvermeidliches Paradox: Sie verändern ihren Ausgang durch die Reaktionen, die auf sie erfolgen. Gelingt ein prognostisches "Setting" (d.h. wird eine Prognose geglaubt), entsteht eine Reaktionskaskade im wahrnehmenden (und dann reagierenden) System. Am Beispiel der Börsensysteme kann man studieren, wie "geglaubte Vorhersagen" zu einer "Aufschaukelung" führen, die zunächst (auf dem Wege der Self-Fulfilling Prophecy) zur Bestätigung, später dann aber zur Widerlegung führen: Die jeweilige Aktie wird durch ein "Glaubenssystem" hochgepuscht, um dann unweigerlich abzustürzen. Ebenso führen Untergangsprophezeihungen zu Gegen-Reaktionen, indem das Verhalten angepasst und der negative Ausgang vermieden wird. Marx sagt zum Beispiel über die Prophezeihung von Malthus, die Menschenzahl würde schneller wachsen als die Nahrungsproduktion: "What a stimulus was produced by this libel of the human race!" (siehe auch Prophezeihung).

Projektion

Die Fortführung einer relativ einfachen Trend-Entwicklung, die sich an einer Formel ablesen lässt, in die Zukunft. In einer interessanten Doppelbedeutung bedeutet dieser Begriff jedoch auch die Projizierung eigener Wunschbilder auf zukünftige Zustände. In der Psychoanalyse auch als "Übertragung" gekennzeichnet, wird ein innerer Zustand auf eine äußere Aussage umcodiert.

Prognose

Ein sehr allgemeiner Begriff für die Diktion eines Endzustandes, meistens in mittleren Zeitbereichen und mittleren Komplexitätssystemen. Prognosen werden dann geliefert, wenn das zugrunde liegende System in seinen Parametern relativ gut bekannt ist. Allegorie: Der Gesundungs- oder Krankheitsverlauf eines Patienten, wenn die Diagnose relativ valide und allgemein akzeptiert ist. Prognosen repräsentieren "Plausibilitäten", sie verletzten also keinen Erwartungs-Kontext (anders als Visionen oder Prophezeiungen).

Prophezeihung

Die Nennung eines Zukunfts-Endzustandes oder Events mit einer deutlichen identifikatorischen oder veränderungsheischenden Absicht. Der "Prophet" arbeitet grundsätzlich mit "Starken Bildern", mit Überraschungen, starken Gefühlen und überhöhten Emotionen.  Sein Interesse ist IMMER die Selbst-Inszenierung einerseits, die Verhaltensänderung der Rezipienten andererseits. Wir unterscheiden in: Erlösungsprophezeihungen (religiös oder politisch). Untergangsprophezeihungen (ökologisch, politisch, sozial, kulturell). Nach Merton/Lazarsfeld gibt es entweder selbstERFÜLLENDE (selffulfilling) oder selbstZERSTÖRENDE  Prophezeihungen.

Retro-Trend

Trend-Entwicklung, die sich als Reflex und Gegen-Bewegung zu einer dominanten soziokulturellen Trend-Strömung entwickelt. Beispiel "Cocooning" gegen "Mobilität" oder "Massenprodukte" versus "Authentic-Trend": Da Menschen, Systeme und Gesellschaften immer dazu neigen, sich auf dem Wege sozialer Evolution "auszubalancieren", kommt es bei jeder dominanten Entwicklung immer zu einem "backlash". Oft bilden sich dann wiederum neue Synthesen aus dem Retro-Trend und dem eigentlichen Trend.
Diese Dynamik zu erkennen und zu verstehen ist eine der wichtigsten Aufgaben der systemischen Trendforschung.

Scanning und Monitoring

Bestimmte Trends kann man in ihrem Verlauf verfolgen.
Beispiel: Wie schnell verändert sich die Rolle der Frauen im "Megatrend Frauen"? Hier kann man dokumentieren, wie z.B. die Anzahl der Frauen in den Unternehmen und der Politik anwächst, wie sich Einkommen und Bildungspotential der Frauen entwickeln etc.

Ein anderer Ansatz des Monitoring dient der Dauer-Beobachtung von bestimmten Szenen, Gruppen oder Märkten, um auch kurzfristige Veränderungen erfassen zu können.

Strategisches Forecasting

Die "Königskunst" der Trend- und Zukunftsforschung besteht in der Implementierung von Trend- und Zukunftswissen in komplexe wirtschaftliche Prozesse. Dies findet zumeist in Think Tanks auf höchster Ebene statt, die ein oder zweimal pro Jahr tagen und die strategische Grundausrichtung eines Unternehmens mittels Szenarios oder Trendwissen überprüfen. Das Unternehmen Shell begann bereits in den frühen 70-er Jahren mit dieser Technik.

Die Turbulenzen der Jahrtausendwende und der weltweite Terrorismus führen nun auch bei Politik und Behörden zu einer Nachfrage nach Zukunfts-Think-Tanks. So werden z.B. in der weltweiten Terrorbekämpfung derzeit so genannte "Precog"-Methoden (nach dem Film "Minority Report" von Spielberg) entwickelt, mit denen man Terroranschläge besser vorhersehen und verhindern will.

Szenarien

Szenarien wurden in den 60-er Jahren vor allem in den Think Tanks rund um das Pentagon (Rand Corporation, Hudson Institute etc.) entwickelt und dienten vor allem der Kriegsverlaufs-Vorhersage.

Heute sind sie - in ihrer zivilen Variante - ein klassisches Handwerkszeug der langfristigen Zukunftsforschung. In dieser Technik "baut" man aus einem bestimmten Set von Trends End-Ergebnisse einer bestimmten Entwicklung, mit der man die Situation eines Marktes, einer Gesellschaft oder einer Firma in 10, 20 oder 50 Jahren schildert. Meist werden diese Szenarios literarisch benannt ("Die Große Armutskrise" - "Multipler Wohlstand") und mit optischen Collagen oder kleinen Szenen/Geschichten bebildert.

Oft entwickelt man alternative Szenarios, um dem Kunden (Politik, Management, allgemeines Publikum) mögliche Varianten aufzuzeigen. Szenarien haben dann eine wichtige Spiegelungsfunktion und können zur besseren Entscheidungsfindung genutzt werden.

Trend, der

Der Begriff "Trend" tauchte zum ersten Mal Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit Aktien und Börsenkursen auf, wurde dann von den Mathematikern aufgegriffen und führte bis etwa in die 90er Jahre ein relatives Schattendasein. Im Laufe der sich schnell entwickelnden Konsumgesellschaft begann er dann ein hektisches verbales Eigenleben zu führen.

Ein Trend ist nichts anderes als eine Veränderungsbewegung oder ein Wandlungsprozess. Man findet Trends logischerweise in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens – von der Ökonomie über die Politik bis zur Konsumwelt.

Heute ist "Trend" für viele Menschen synonym mit einer "kurzfristigen Mode im Bereich von Jugendmarketing". Mit dieser Art von Modetrends hat die moderne Trend- und Zukunftsforschung allerdings nur am Rande zu tun. Wir arbeiten mit einem gestaffelten System, in dem es die unterschiedlichsten Arten von Trends gibt:

  • Metatrends: die evolutionären Konstanten in der Natur. Metatrends unterliegen keinen Zyklen. Sie finden sich überall in lebenden Systemen, auch in Gesellschaften.
  • Megatrends: der Begriff Megatrends geht auf den Begründer der modernen Zukunftsforschung, John Naisbitt, zurück, der im Jahr 1980 zwei Weltbestseller zu diesem Thema schrieb. Megatrends sind Blockbuster der Veränderungen.
    Drei Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit wir einen Megatrend diagnostizieren:
    • Der Trend muss eine Halbwertzeit von mindestens 25 bis 30 Jahren haben.
    • Er muss in allen möglichen Lebensbereichen auftauchen und dort Auswirkungen zeigen (nicht nur Konsum, sondern auch Wertewandel, Politik, Ökonomie etc.).
    • Megatrends haben prinzipiell einen globalen Charakter, auch wenn sie nicht überall gleichzeitig stark ausgeprägt sind.
  • Soziokulturelle Trends: Dies sind mittelfristige Veränderungen, die von den Lebensgefühlen der Menschen im sozialen  Wandel geprägt werden, sich aber auch stark in den Konsum- und Produktwelten bemerkbar machen. Die größeren von ihnen haben eine Halbwertzeit von 5-8 Jahren, z.B. der "Geiz ist Geil – Trend" oder die Wellness-Welle.
  • Zeitgeist-Trends
  • Stiltrends
  • Produkttrends: diese sind flüchtige, oberflächliche und marketing-gesteuerte Phänomene, die eher im Bereich einer Saison bzw. eines halben Jahres stattfinden.

Trend-Ansage

Das Diktum eines (meist soziokulturellen oder Konsum-) Phänomens. Intention ist die "Einkleidung" eines Produktes, eines Kaufverhalten, in ein Bild oder eine starke wörtliche Formulierung. Dadurch "Kenntlichmachung" ("verbal branding") des jeweiligen Phänomens, oft mit der Intention, zu weiterem Kaufverhalten anzuregen.

Trendnörgelparasiten

Leute die sich über ständig negativ an der angeblichen "Unseriosität" der Trend- und Zukunftsforschung profilieren und mit dieser unqualifizierten Kritik auch noch Geld verdienen (wollen). Meist handelt es sich um mäßig talentierte Journalisten oder "Berater", die sich die Butter vom Brot genommen fühlen.

Trend-Opportunismus

Bezeichnet den Hang, sich opportunistisch nach "Trend-Verkündungen" zu richten. Der eigentliche analytische (Kontext-) Ansatz der Trend- und Zukunftsforschung wird hier zur reinen "Ansage" verkürzt, der nun alle hinterherrennen.

Bezeichnend ist die Frage auf Marketing-Kongressen und anderen Business-Veranstaltungen, was "denn ganz besonders im Trend liegt". Mit dieser Frage kommt man garantiert nicht zu Markt-Erfolgen, denn es rennen ja nun alle in Richtung auf eine bestimmte Marktnische.

In den klugen Worten der Kollegen von Z-Punkt:
"Ein neuer Hype wird ausgerufen und alle springen auf den anfahrenden Zug – bis er aus dem Gleis springt. Allein "auf Trends zu surfen" bringt keinen langfristigen Wettbewerbsvorteil. Unternehmen müssen wieder lernen, selbst Attraktor zu sein und Märkte offensiv mitzuprägen, anstatt immer nur Anschluss zu suchen. Dazu reicht es nicht, die "angesagten" Trends zu kennen, vielmehr ist es notwendig, in einer Tiefenanalyse ein klares Bild von den Konturen des Wandels und seinen Treibern zu erlangen."
Vom Trenddenken zur Kontextlogik© www.z-punkt.de

Trendscouts

Der Trendscout war lange Zeit das Lieblingskind der Medien. Überall in Discos, Clubs und Shops wimmelten junge, coole Typen auf der Suche nach dem letzten "Trend". Abgesehen davon, dass es sich hier (wieder einmal) um eine Verwechselung von Trends und Stilmoden handelt, haben sich Trendscouting-Systeme nie wirklich als Instrument dauerhaft bewährt – zu subjektiv ist die Wahrnehmung, zu wenig lassen sich die Ergebnisse strukturieren und verifizieren.

Allerdings gibt es einen sehr schönen Roman zum Thema: In William Gibsons "Mustererkennung" (Englisch "Pattern Recognition") ist Cayce, eine "Trend-Sensible", die Hauptperson...

Voraussage (Forecast)

Die Voraussage ist die einfachste Form der Prognose. Ein bekanntes und alltägliches dynamisches  System wird hier in seinem wahrscheinlichen Zukunftsverlauf dargestellt. Beispiel: der Wetterbericht.

Vorhersage (Prediction)

Ähnlich wie die Voraussage, aber hier wird ein bestimmter zukünftiger Zeitabschnitt focussiert. Man sagt also nicht: "Das Wetter wird sich in den nächsten Tagen soundso entwickeln", sondern "Am Donnerstag wird es schneien".

Vision

Ein starkes Bild einer möglichen Zukunft. Visionen sind fast immer interessensgeleitet und haben oft  einen "projektiven" Charakter, das heißt man "Wünscht" sich was und verkauft das dann als Vision. Auch neigen sie zur Vereinfachung komplexer Sachverhalte, denn sie benötigen starke, einfache, einleuchtende Bilder.

Deshalb muss man noch nicht gleich den berühmten Satz unterschrieben, der angeblich von Helmut Schmidt oder dem österreichischen Ex-Bundeskanzler Vranitzky stammt: "Wer Visionen hatte, sollte zum Arzt gehen!" Aber man sollte eine gesunde Skepsis gegenüber dem Begriff wahren...

Wargaming

Eine Methode der strategischen Zukunfts-Planung, die sich aus einer Symbiose von klassischem Consulting und angewandter Spieltheorie entwickelt hat. Der Begriff geht auf die alten "Kriegsspiele" des Kalten Krieges zurück. Damals entwickelten die Zukunfts-Think Tanks in den USA aufwändige Szenarien zur Entwicklung eines globalen Blockkonfliktes und/oder Atomkrieges (geschildert wurde das in Kubricks berühmten Film "Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben").

Beim "Wargaming" spielt man  komplexe strategische Entscheidungen in einer zwei- bis dreitägigen Simulation durch - bis zu dreißig Jahre in die Zukunftwerden dabei simuliert. Besonders entwickelt hat diese Technik die Consulting-Firma Booz Hamilton.  

Wild Cards

Werden klassische Szenarien aus dem Trend-Wissen entwickelt, arbeitet man bei Wild Cards mit bewussten Trend-Brüchen. Angenommen werden hier statistisch eher unwahrscheinliche "Events", die den kontinuierlichen Verlauf durcheinander bringen können. Das Spektrum reicht von Naturkatastrophen über Wirtschaftskrisen bis zu weltweiten Seuchen oder sensationellen Erfindungen.

Der Sinn von Wild Cards ist die Verbesserung der Krisenresistenz und die bessere Vorbereitung auf das Unwahrscheinliche (siehe Literaturhinweise).


 


 

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