162 – Zurück zum Mond?

Bricht die Menschheit jetzt tatsächlich wieder ins All auf?
Oder reisen wir nur unseren Schatten hinterher?

Paul Planet, April 2026

Es gab eine Zeit, als der Mond die Zukunft war. Die bleiche Scheibe am Himmel stand für die Sehnsucht nach dem ganz großen, dem einzig wahren Abenteuer. Als vor knapp 60 Jahren die tiefen sonoren Stimmen der Ground Control den Countdown für die Mondlandungen herunterzählten, als die brüllenden Triebwerke der Saturn-1-Raketen zündeten, saßen wir Jungs der Boomer-Generation mit leuchtenden Augen vor dem (noch schwarzweißen) Fernsehbildschirm.
Jetzt soll das alles wiederkommen.

Auch damals, vor einem guten Halbjahrhundert, waren die Zeiten bedrohlich. Der Vietnamkrieg tobte. Die Rassenunruhen in den USA führten zu Toten auf den Straßen. Ebenso tobte der Generationskonflikt, in dem wir unsere Eltern für die Verbrechen der Nazi-Zeit zur Rede zu stellen versuchten. Der Kalte Krieg breitete seine atomaren Ängste aus. Gleichzeitig hing an der Wand meines Studentenzimmers jahrelang ein Poster der Blue Marble, des ersten hochauflösenden Fotos unseres blauen Planeten vom Weltraum aus, aufgenommen mit der Hasselblad-Kamera von Apollo 17, der letzten Mondmission. Space-Romantik war damals ein verbreitetes Lebensgefühl. All das Unschöne der Zeit, die Umweltprobleme, die globalen Konflikte, Pubertätspickel, schien aufgehoben in einer Vision der vereinten Menschheit, die sich „auf den Weg macht“. Aus dieser Mischung entstand das romantisierende, idealisierende Lebensgefühl vieler Boomer.

Jetzt also soll es wieder losgehen. „Missionen“ stehen wieder bevor, und allein schon dieses Wort erweckt eine uralte Heilserwartung (nicht umsonst stammt es aus dem Religiösen). In den Medien mischen sich in die ewigen Kriegsmeldungen, Sexskandale und Comfort-Food-Rezepte plötzlich wieder Konstruktionszeichnungen von Mondsiedlungen und Städten auf dem Mars, wie wir sie in unserer Jungs-Kindheit sammelten und wie Pornobilder unter der Bettdecke ansahen.

Nur: hat das noch irgendeine Bedeutung?
Interessiert sich irgendjemand wirklich dafür?

Der Weltraum ist irgendwie verseucht. Im Orbit zieht inzwischen eine Menge Schrott seine Bahn. Trümmer von allen möglichen Nutzungen und Intentionen, die meistens etwas mit Geschäft und Militär zu tun haben. Die dämonischen Satelliten-Linien von Elon, Koks in Space, künden von einem seltsamen Zeitalter. Die schüchternen Versuche einer Pop-Weltraumfahrt, wie die Weltraumhüpfer von Richard Branson und Jeff Bezos, sind weitgehend eingestellt. Der Mythos „Space“ hat sich in eine seltsame Ambivalenz verkehrt. Einerseits hungern wir nach einem Gefühl, einer Aussicht, die uns irgendwie über das kaputte Irdische hinausheben kann. Andererseits geht es nur noch um Kommerz, Konkurrenz, Nationalstolz. Selbst in Bayern wollen sie jetzt zur Startrampe werden, unbedingt.

Die wahre Bedeutung der Weltraumfahrt

Nun kann man in cooler Abgeklärtheit abwinken: Wozu das teure Theater – schicken wir doch einfach die Künstliche Intelligenz! Die wird schon berichten, wie es „da draußen“ ist und Städte aufbauen; wenn sie eigene Diskussions-Plattformen aufbauen kann – warum dann kein Mars-Paris oder eine hübsche kleine Fachwerksiedlung auf dem Mond? Schließlich kann die KI angeblich alles besser als wir…

Die Heroen der ersten Mondlandungen waren wortkarge Kampfpiloten, die gelernt hatten, Kommandos zu gehorchen. Den Armstrongs und Aldrins fiel zu ihren Erlebnissen wenig ein, außer dass es dunkel war und „exciting“. Auch wenn der eine oder andere religiöse Gefühle „angesichts der Weite des Alls“ formulierte, wirkte das eher einstudiert. Die Helden waren eher Statisten, die irgendwie funktionierten wie Roboter. Sie waren sozusagen missionsangepasst.
Das änderte sich mit den Shuttle-Programmen. In den 80er und 90er Jahren wurde die Umlaufbahn zu einer Art positiver Reality-Show. Christa McAuliffe, die Lehrerin, die bei der Start-Explosion des Shuttles 1986 ums Leben kam, wurde eine amerikanische Nationalheldin, deren Foto in jeder Schule an der Wand hing und einen ganz bestimmten gütigen und vereinenden Aspekt der amerikanischen Gesellschaft symbolisierte.

Menschen, die man heute bitter vermisst.
Helden für den Sinn des Morgen.

Nur etwas mehr als 700 Menschen haben die Anziehungskraft der Erde bislang überwunden. Es ist interessant, was das mit ihnen gemacht hat. Einige Astronauten wie der Kanadier Chris Hadfield, der Deutsche Matthias Maurer (Buch „Cosmic Kiss“) oder die Italienerin Samantha Cristoforetti begannen biographisch zu publizieren, über ihre Gefühle und inneren Wandlungen beim Anblick des Planeten aus dem All zu berichten. Das war immer schön kitschig, manchmal aber auch ein bisschen klischeehaft. Einige tauchten in Talkshows auf und bezogen Stellung zu ökologischen und sogar politischen Fragen. Alexander Gerst, der deutsche Astronaut, brachte sogar eine gewisse Poetik ins Spiel:

„Als Erdbewohner sind wir ein Inselvolk im All. Wir sind neugierig und wollen das Meer um uns verstehen. Und das müssen wir auch, um als Spezies zu überleben.“

Captain Ahab hebt wieder seine Stimme. Moby Dick lässt grüßen. Fahren wir aufs weite Meer!

Je weniger im Orbit und darüber hinaus passierte, desto blühender wurde die Weltraum-Cineastik. Der Trend ging von den großen Star-Wars und Star-Trek-Epen zurück zur Erde und unserer Beziehung zu ihr. Der Orbit-Film „Gravity“ machte die Beziehung losgelöster Individuen zu unserem Heimat-Planeten zum Thema. Der Mars wurde in über 100 gruppendynamischen Filmplots bereits über hundert Mal erobert – und wieder verlassen.

Der Retro-Film „To the Moon“ handelt von den Verbindungen der Emanzipationsbewegungen mit dem Mondprogramm, dem kulturellen Konflikt zwischen Politikern, Ingenieuren und der alternativen Kultur. Besonders die wunderbare Alternativ-History-Serie „For All Mankind“ (Apple TV) reflektiert die soziokulturellen Drifts, die mit dem Mythos des Space Age zusammenhingen. In diesem historischen Zweit­universum landen die Russen als erste auf dem den Mond, was eine völlig andere historische Zeitlinie hervorbringt, eine alternative Realität. Die Sowjetunion bleibt bestehen, und in der Konkurrenz der beiden Supermächte gerät das Weltraumprogramm richtig auf Touren. Die NASA wird von Frauen und progressiven Humanisten übernommen, und schon 1985 wird eine große Mondstation gegründet. Der Weltraum eröffnete sich als Bühne für den großen gesellschaftlichen Wandel, der uns heute abhanden zu kommen scheint. Die fünfte Staffel wurde gerade erst jetzt veröffentlicht, sie spielt in einer großen Kolonie auf dem Mars, die die gesellschaftlichen Spannungen der Jetztzeit abbildet.

Wer noch weiter in die Zukunft reisen will, schaue sich die Über-Serie „The Expanse“ an, in der die Menschheit bis an die Grenzen des Sonnensystems und darüber hinaus expandiert. Und dabei eigentlich immer sie selbst bleibt.

Weltraumfahrt ist ein sozio-mentaler Spiegel, in dem wir uns selbst zu erkennen versuchen. Und sie ist, oder war, ein verbindendes kosmopolitisches Element. Bis heute ist die ISS, die internationale Space-Station, so ziemlich der einzige Ort auf der Welt, wo Amerikaner, Europäer und Russen noch friedlich in einer WG zusammenleben.
Aber müssen wir wirklich „da hinaus“, um „die Menschheit“ zu retten?

Die radikale Ablehnung

In einem neuen Buch von zwei US-Journalisten, Kelly and Zach Weinersmith, „A City on Mars“, weisen die Autoren auf sehr ironische und menschliche Weise nach, dass die ganze Idee der Besiedelung, oder gar des „Exodus“ ins All, reiner Blödsinn ist. Die energetischen, finanziellen, politischen Aufwände, dauerhafte Siedlungen auf Himmelskörpern zu schaffen, würden selbst mit den Schwellentechniken (Fusion, Biomorphik, etc.) alle Kapazitäten der Menschheit übertreffen. Wir unterschätzen immerzu die Verletzlichkeit des menschlichen Lebens. Und überschätzen unsere technischen Kapazitäten. Wir hängen nach wie vor einer Illusion nach, die uns von den wahren Dingen ablenkt.

Das Buch „A City on Mars” ist u.a. erhältlich bei www.amazon.de,  (Affiliate Link – Offenlegung).

Der Londoner Kulturkritiker Sam Kriss brachte es mit seinem „Manifesto of the Committee to Abolish Outer Space“ (2016) so auf den Punkt:

„Wir wurden belogen, einer grausamen und frostigen Lüge ausgesetzt, einer so gewaltigen und allumfassenden Lüge, dass sie nicht länger vollständig wahrnehmbar ist, sondern zum unsichtbaren Untergrund des Alltags geworden ist. Sie erzählten uns, der Weltraum sei schön. Sie zeigten uns Nebel, große rosa und blaue Wolken, umhüllt von Zöpfen aus violetten Sternen, die sich im Tempo der kosmischen Unendlichkeit bewegen. Die Worte sind Lügen, die Farben sind Lügen, die Nebel sind Lügen. Diese Bilder werden von Computern zusammengetragen und pigmentiert; sie sind keine Szene, die man jemals aus dem Bullauge eines Raumschiffs sehen könnte. Der Weltraum ist nicht einmal hässlich; er ist nichts. Es ist eine tote, schwarze Leere, übersät mit ein paar grauen Felsen, die nach einer präzisen mathematischen Sinnlosigkeit aufeinanderprallen, bis nur noch Staub übrig ist.
1. Die Menschheit wird niemals den Mars besiedeln, niemals Mondbasen bauen, niemals die Asteroiden neu anordnen, niemals eine Kugel um die Sonne bauen (eine Dyson-Sphäre).
2. Es wird niemals Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit geben. Wir werden nicht durch die Galaxie streifen. Wir werden unserem Stern nicht entkommen.
3. Die Menschheit wird auf diesem Felsen leben und sterben, und wenn wir weg sind, wird etwas anderes unseren Platz einnehmen. Vielleicht hat es das schon getan, ohne dass wir es überhaupt bemerkt haben.
4. Das alles ist gut. Das ist eine gute Sache.“

Man kann das Ganze auch etwas positiver formulieren: In seinem Text „Space is Dead – Why do we Keep Writing About it?“ kommt der Fantasy-Autor Andrew Dana Hudson zu einer melancholischen, aber auch tröstlichen Botschaft: Es könnte sein. Vielleicht muss es aber gar nicht sein.

„Unsere beste Chance, herauszufinden, was da draußen im Universum ist, besteht vielleicht darin, unsere Reichweite nicht nur in die Weiten des Weltraums, sondern in die weite Zeit auszudehnen: um unsere Zivilisation friedlich, stabil und nachhaltig zu gestalten, damit wir weiter lauschen können. Wenn wir lange genug lauschen, fangen wir vielleicht ein Signal von jemandem da draußen auf, der dasselbe erreicht hat.“

longnow.org/ideas/space-dead

Um es mit den Worten von Carl Sagan zu sagen, dem Kosmos-Guru der ersten Phase der Weltraumfahrt:
„Vielleicht ist es ein bisschen zu früh.
Vielleicht sind wir noch nicht so weit.”

Sogar mein geliebter Enterprise-Raumschiffkommandant Jean-Luc Picard alias Patrick Stewart hat sich in den letzten Folgen von STAR TREK auf sein französisches Weingut zurückgezogen. Wo er ab und zu den weise gewordenen Androiden DATA trifft, um mit ihm dreidimensionales Schach zu spielen. Data will inzwischen kein Mensch mehr werden, das ist ihm zu anstrengend. Picard wird zwar immer wieder zur Abwehr der bösen Borgs, die die Menschheit assimilieren wollen, zur Sternenflotte zurückgerufen. Ein typisches Rentnerschicksal unserer Tage. Aber man merkt Picard an, dass er irgendwie die Lust am Erobern und Humanisieren des Outer Space verloren hat. Das Assimilieren hat im KI-Zeitalter obendrein eine ganz andere Bedeutung erlangt.

„Wir merken plötzlich, dass wir von der Erde nicht wegkommen. Ein paar Leute probieren es zwar, reiche Eskapisten mit kalifornischen Startrampen. Ansonsten sind die Erdenbewohner in der gleichen Situation wie die deutschen Steuerzahler: Sie können nicht weg, für sie gibt es keine Offshore-Inseln. Wenn es so eine planetarische Offshore-Insel gäbe, wäre alles nicht so schlimm.
Peter Sloterdijk in einem Interview in der ZEIT, 26.03.2026

Das Elon-Paradox

Keiner hat die Türen in den NEXT SPACE, die nächste Phase der Weltraumfahrt, weiter aufgestoßen als Elon Musk.
Musk hat die Regeln der Weltraumfahrt radikal auf den Kopf gestellt. Er hat das Zeitalter beendet, in dem staatliche Organisationen wie NASA und ESA um Geld und öffentliche Unterstützung betteln mussten und alle von russischen Sojus-Raketen aus den 60er Jahren abhängig waren. Er hat gegen die bleierne Müdigkeit, die das „Projekt Weltraum“ befallen hatte, einen neuen Stil gesetzt: Mit „Rapid Innovation“ – technische Veränderung unter hohem Druck in gestressten Teams, von denen die Hälfte wieder gefeuert wird, wenn es nicht klappt. Er hat die Kosten von Nutzlast mit wiederverwendbaren Raketen um den Faktor 7 gesenkt. Mit seinen schlanken Raketen und lässigen Raumanzügen hat er eine neue astronautische Pop-Ästhetik geschaffen: Space Coolness.

So war es zumindest kurzzeitig.
Denn gleich darauf hat er den neuen Space Spirit wieder in die Luft gesprengt.

Indem er die Weltraumfahrt von rechts politisierte und zu einem ideologisch-narzisstischen Projekt machte, hat er ihr den Sauerstoff entzogen, von dem sie lebt. Weltraumfahrt braucht einen idealistischen Überbau. All das hat der Übernarzisst Musk in den irdischen Staub getreten.

Musk‘s Drift in die Hybris erinnert an Captain Ahab aus Herman Melvilles „Moby Dick“. Dieses ikonische Buch über den Größenwahn eines Mannes wird derzeit in den USA in öffentlichen Lesungen gelesen; als Zeichen des Widerstands gegen den neuen Despotismus. „Innovation by Destruction“ – riesige Raketen immer wieder explodieren zu lassen, um „Daten“ zu gewinnen, zerstört ein weiteres wichtiges Element des Space Mythos: Das Ingenieurs-Ethos, das auf Sorgfalt, Voraussicht und Vernunft setzt, um Leben zu schützen.

Auch wenn Musk das Mars-Projekt derzeit offenbar aufgegeben hat (wer möchte schon mit ihm in seine Ketamin-Community auf den roten Planeten ziehen): Narzisstische Hybris könnte der Sargnagel für das ganze Projekt der Next Space Exploration werden.
Oder ist es längst.

Der zweite Sargnagel ist die Wiederkehr des dumpfen Nationalismus. Während die Weltraumfahrt vor einem halben Jahrhundert einen Ausweg aus den geopolitischen Spaltungen der Welt zu weisen schien, stehen wir heute eher vor einem neuen Wettrüsten, in dem der Weltraum zum Aufmarschfeld zu werden droht. Und zur Müllhalde verlorener Träume. Einen Stützpunkt auf dem Mond zu bauen, nur um den Chinesen zuvorzukommen, und dann eine Groß-Statue von Trump ins Mare Crisium zu setzen – das ist der sicherste Weg, um alle Sehnsucht nach anderen Welten zu beenden.

Der Blick zurück

Dieses neue „Space Age“ hat keine Größe, keine kosmische Dimension; es ist auf Angst und Engstirnigkeit und Geldgier gegründet. Aber vielleicht hat die bemannte Weltraumfahrt eine ganz andere Dimension, die wir bislang vernachlässigt haben.

Die Pionier-Weltraumfahrt vor einem halben Jahrhundert war ein Männer-Abenteuer, das gleichzeitig den Triumph des fossilen Industrie­zeitalters markierte. Raketen sind bis heute phallische Geräte, die jede Menge PS haben und wahnsinnigen Krach machen. Frauen haben sich meiner Erfahrung nach nie besonders für solche Dinge interessiert. Auch für Laserschwertkämpfe, fiese Aliens oder Kämpfe auf fremden Planeten waren sie nicht sonderlich zu haben.
In meiner spacebegeisterten Jugend fand ich das immer schade. Aber vielleicht ist es gerade die weibliche Perspektive, die der ganzen Sache einen Sinn verleiht.

Die englische Autorin Samantha Harvey hat ein berührendes Buch geschrieben, das von einer Crew unterschiedlicher Individuen handelt, die sich an Bord der ISS auf ihrer letzten Mission befinden. Während die Station 18mal am Tag ihre letzten Runden um den Planeten zieht, ist ein neues Raumschiff auf dem Weg zum Mond, wo endlich ein dauerhafter Stützpunkt entstehen soll. In den Routinen an Bord der ISS philosophieren die Besatzungsmitglieder über den Sinn dessen, was sie tun. Über ihre Beziehungen zur Erde, zum Menschsein, zu sich selbst, zum „All“ im Wortsinn. Es geht um eine Menschlichkeit, die sich ihrer selbst gewahr wird. Es sind Monologe, zarte Berührungen, die nicht von heroischen Abenteuern handeln, sondern von der Wirklichkeit und Schönheit deren Teil wir sind. Von der Endlichkeit und Zerbrechlichkeit des Lebens. Der Sehnsucht nach Heimat und der Überwindung der Dunkelheit.

„Wie sich das Leben ausbreitet. Wie der Planet dem Abgrund gegenüber verkündet: Hier ist etwas, hier ist jemand. Und wie trotz alledem ein Gefühl von Wohlwollen und Frieden obsiegt, denn selbst bei Nacht gibt es nur eine menschengemachte Grenze auf der ganzen Welt: ein langer Pfad Lichter zwischen Pakistan und Indien. Mehr hat die Zivilisation in Sachen Spaltung nicht vorzuzeigen, und bei Tag ist sogar diese Grenze verschwunden.”

Und an einer anderen Stelle heißt es:

„Vielleicht schauen wir eines Tages in den Spiegel und sind zufrieden mit dem eher mittelprächtigen aufrecht gehenden Affen, der uns entgegenblickt. Dann halten wir kurz die Luft an und denken: OK, wir sind allein, also gut. Vielleicht kommt dieser Tag schon bald. Vielleicht ist genau diese Unsicherheit unvermeidlich, dieses wackelige Balancieren auf dem Stecknadelkopf des Daseins, in dem Maße, in dem wir begreifen, dass das schwindelerregende Ausmaß unserer eigenen Nichtigkeit ein stürmisches und wellenumtostes Friedensangebot ist, verlieren wir Stück für Stück unsere Mitte.”

Space Poetry. Vielleicht geht es im nächsten Space Age nicht mehr um heroische Taten oder sensationelle Eroberungen. Sondern eher um menschliche Imaginationen, die uns helfen, uns wiederzufinden.

Das Buch „Umlaufbahnen” von Samantha Harvey wurde mit dem Booker Price 2024 ausgezeichnet und ist u.a. erhältlich bei www.amazon.de,  (Affiliate Link – Offenlegung).

Die fotographischen Kunstwerke in diesem Text stammen vom Berliner Künstler Michael Najjar, der sein Werk wie kein anderer dem Mythos und der Realität des NEXT SPACE gewidmet hat. Die Bilder zeigen die Triebwerke einer Sojus-Rakete, den „Starttisch“ beim Start eines Musk‘schen STARSHIP und die Simulation einer Weltraumstation in einem fliegenden Zero-G-Simulator.
www.michaelnajjar.com

Mehr zu diesem Thema in einer großen Strecke in unserem Beyond 2026 – Das Jahrbuch für Zukunft:
shop.thefutureproject.de/products/beyond-2026-das-jahrbuch-fur-zukunft


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Bei Nachdruck-Anfragen wenden Sie sich bitte an Mag. Michaela Németh: michaela.nemeth@horx.com