39 – Mein neues Buch

15 ½ Regeln für die Zukunft

Am 30. August erscheint im ECON-Verlag mein neues Buch. Zwei Jahre habe ich daran gearbeitet. Es handelt von den wichtigsten ZUKUNFTS-REGELN. Das klingt ein bisschen geheimnisvoll. Es geht um die Ängste, die wir mit der Zukunft verbinden. Um die kognitiven Muster, in denen wird Zukunft gesellschaftlich und individuell „codieren”. Um Bewältigungs-Strategien und ein neues Verständnis von Wandel. Um Visionen und ihre Funktion. Um die Art und Weise, wie Zukunft in unserem Kopf entsteht – und sich dies in der Realität selbst manifestiert. Das Buch ist in gewisser Weise die Fortsetzung von „Anleitung zum Zukunfts-Optimismus” aus dem Jahr 2010, aber ohne die vielen Daten, Zahlen und Fakten. Es geht um unser Zukunfts-Bewusstsein – und was es bewirken kann.

Lesen Sie hier das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung.

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oder auch signierte Exemplare unter der Mail michaela.nemeth@horx.com ordern.

Inhaltsverzeichnis

Die 15 ½ Zukunfts-Regeln:
1. Vermeide Future Bullshit!
2. Jeder Trend erzeugt einen Gegentrend.
3. Das Alte kommt immer wieder – und erneuert sich dabei selbst.
4. Vertraue auf natürliche Intelligenz, anstatt Dich vor künstlicher Dummheit zu fürchten.
5. Verstehe die Co-Evolution zwischen Technik und Mensch.
6. Erkenne die Akzeptiere, dass die Welt UNGERECHT ist – aber nicht unbedingt “unfair”.
7. Verwechsele Dich nicht mit Deiner Angst.
8. Versöhne Dich mit der Ungleich(zeitigkeit) der Welt.
9. Denke von der Zukunft her, statt Probleme lösen zu wollen.
10. Genieße die besseren Fragen!
11. Befreie Dich von Zukunfts-Schuld.
12. Entspanne Dich in der neuen Welt-Ordnung.
13. Ertrage, dass die Welt besser wird – und trotzdem nicht besser werden KANN.
14. Vergiss Pessimismus UND Optimismus. Werde POSSIBILIST.
15. Zukunft entsteht durch gelungene Beziehungen!
15 ½. Zukunft ist eine Entscheidung.

Einleitung: Die Zukunft in uns

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert beschäftige ich mich nun mit der Zukunft. Es wird Zeit für eine Zwischenbilanz: Was habe ich in den langen Jahren prognostischer Arbeit gelernt? Wo lagen die Irrtümer? Und was, zum Teufel, IST eigentlich ein „Zukunftsforscher“?

  • Ein Prophet, der die Richtung vorgibt, im Sinne von „Folgt mir nach – ich kenne den Weg!“?
  • Ein kühler Analytiker, der ausschließlich in Wahrscheinlichkeiten rechnet und verschiedene Szenarien durchspielt?/
  • Ein Motivationstrainer, der wie ein Schlangendompteur „Visionen“ beschwört und die Leute zum „immer schnelleren Wandel“ anpeitscht?
  • Ein Geschichtenerzähler, der möglichst spektakuläre Storys zum Besten gibt?
  • Oder ein diskreter Berater, der große Firmen bei der Beantwortung der Frage „Wie erzielt man in den Märkten der Zukunft höhere Profite“ unterstützt?

Alle diese Rollen habe ich im Laufe der Jahre in der einen oder anderen Weise besetzt. Ich habe sie alle wieder verlassen, weil etwas nicht stimmte. Eine innere Not entstand, eine Unzufriedenheit. Mit Zukunftsbildern kann man unglaublich leicht manipulieren; nicht nur die anderen, sondern vor allem sich selbst.

Es ist jetzt rund 25 Jahre her, dass im Econ Verlag zwei meiner Bücher erschienen, die erheblichen Wirbel verursachten: Trendbuch 1 und Trendbuch 2. Sie kamen 1993 und 1996 in den Buchhandel, wurden Bestseller und markierten den Startschuss für eine damals noch junge und skandalumwitterte Disziplin: die Trendforschung.

Es ist lustig, heute durch diese Fibeln der frühen Trendanalyse zu blättern, aber auch ein wenig schockierend. In Trendbuch 1+2 ging es um den Aufstand der Alten. Um die Neue Netzwerk-Kultur. Ein Kapitel lautete „Postemanzipation“ und vertrat die These, dass der Feminismus seine Blütezeit schon hinter sich habe und eine Renaissance der Familie bevorstehe. „Ökolozismus“ antizipierte eine eher frömmelnde Ökologiebewegung, die von Schuldritualen und Ablasshandlungen lebte. Ein Kapitel hieß „Die Rückkehr der Spießer“. Und in „Das Große Heimweh“ beschrieb ich die Sehnsucht nach dem unverdorbenen Gestern, den Trend zur Nostalgie.

Kommt einem das nicht furchtbar bekannt vor? Alles war schon mal da. Alles kommt offenbar immer wieder. Dreht sich also alles nur im Kreis?
Erst viel später erkannten wir (damit meine ich das Zukunftsinstitut, den von mir 2000 gegründeten Thinktank), dass unsere Zukunftsannahmen an Linearität litten – an einem verengten Denken, das die wahrgenommenen Trends einfach starr in die Zukunft projizierte. In Wirklichkeit erzeugt jeder Trend einen Gegentrend, jede Veränderung einen Widerstand. Daraus entsteht eine Turbulenz, der die eigentliche Zukunft entspringt. Von nun an beschäftigten wir uns mit Komplexitätsforschung, Systemtheorie, Spieltheorie und Formtheorie. Wir lernten, zwischen Voraussagbarem und Nicht-Voraussagbarem zu unterscheiden, Modell und Wirklichkeit, Trends und Gegentrends in Beziehung zu setzen. Daraus entstanden komplexere Modelle. Aber auch das brachte uns hinsichtlich der Frage, welchen tieferen Sinn Prognosen eigentlich haben, nicht wirklich weiter.

Wenn wir eines Tages in der Lage wären, die Zukunft exakt zu prognostizieren – Molekül für Molekül sozusagen –, würden wir dann nicht in einem kalten, toten, mechanischen Universum aufwachen? Ist das nicht eigentlich das, was künstliche Intelligenz beabsichtigt? Ein deterministisches Universum zu schaffen, in dem alles voraussagbar ist?
Wir erkannten, dass etwas Fundamentales fehlte. Der Mensch.

Menschen sind Zukunftswesen. Wir können gar nicht anders, als uns unentwegt das Kommende vorzustellen. Mit unserem übergroßen Hirn sind wir homo prospectus, der vorausschauende Mensch. Wir sind auch der schöpferische Mensch, weil aus Bildern und Imaginationen unentwegt Wandel und Veränderung entsteht. Durch das Imaginieren der Zukunft stellen wir sie sozusagen selbst her – in einer endlosen Rückkoppelungsschleife.

In den meisten der herkömmlichen Zukunftsvisionen kommt der Mensch aber nur am Rande vor. Als kleine Silhouette in mächtigen Städten, in denen die Autos alle fliegen. Ökonomie und Technologie sind die Leitplanken, an denen entlang der Zukunftszug dahinrast. In dieser kalten Zukunft sind wir allenfalls Konsumenten immer raffinierterer Produkte. Bewohner hypersmarter Umwelten, in denen auf Knopfdruck alles zu haben ist. Endloser Komfort – wollen wir wirklich dorthin?

Um die Zukunft zu begreifen, müssen wir verstehen, wie wir als Zukunftswesen ticken. Die Zukunft findet nicht getrennt von uns statt. Sie kommt nicht „über uns“ wie eine Lokomotive, die aus dem Tunnel rast. Sie ist kein unveränderlicher Zustand, sondern ein Prozess. Work in Progress. Sie entsteht in unserem Wirken. In unserem Werden. In unserem „Mind“. Nicht morgen, sondern jetzt.

Das Fünfte Element

Kennen Sie den verrückten Science-Fiction-Kultfilm Das Fünfte Element von Luc Bresson aus dem Jahr 1998, mit Bruce Willis und der wunderbaren Milla Jovovich in den Hauptrollen? In diesem irren Streifen geht es darum, den Triumph des endgültig Bösen zu verhindern (was auch sonst?). Wenn man die vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Licht zusammenfügt, kann man die Welt vor der finalen Finsternis retten, die als der böse Zorg daherkommt. Nun ja, ganz so ernst ist der Plot nicht zu nehmen. Es wimmelt von schrägen Gestalten aus allen Ecken der Galaxis. Bruce Willis spielt einen abgehalfterten Taxifahrer (Flugtaxis, na klar). Ganze Raumschiffe werden mit durchgeknallten Alien-Transvestiten gefüllt. Man fragt sich unwillkürlich, was Bresson wohl geraucht hat, es muss speziell gewesen sein.

Doch um die Welt zu retten, braucht es das Fünfte Element. Das Element, dass alle anderen Elemente integriert. In Bressons Film wird dieses Element durch Leeloo repräsentiert, eine zähe und gleichzeitig engelsgleiche Frau, die die Welt retten kann, wenn sie zu ihrer eigenen inneren Stärke findet. Um dieses geheimnisvolle Phänomen geht es in diesem Buch.

In den folgenden fünfzehneinhalb Regeln finden Sie alles, was ich über die seltsame Schleife, die unsere innere und die äußere Zukunft verbindet, gelernt habe – über die Potentialität des Zukünftigen, das in uns allen ist. Zukunft ist in Wahrheit Selbst-Verwandlung. Der Psychologe Stephen Grosz bringt diesen Gedanken auf den Punkt:

Die Zukunft ist kein Ort, zu dem wir gehen,
sondern eine Idee in unserem heutigen Bewusstsein.
Etwas, das wir erschaffen
und das uns dabei verwandelt.

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