Warum die Klimakatastrophe nicht kommen wird

Plädoyer für einen neuen Öko-Realismus

Autoren: Matthias Horx, Dr. Daniel Dettling

„Heißzeit“. Das Wort des vergangenen Jahres erinnert uns daran, dass es jenseits von Populismus und Fremdenangst, von Shitstorm gegen alles und jedes und Datenklau noch etwas gibt, das uns alle verbindet: Wir leben zusammen auf einem blauen Planeten. Der ist, wie uns der neue deutsche Orbit-Star Alexander Gerst im vergangenen Jahr wieder einmal klarmachte, eine wahre Schönheit. Eine Schönheit, um die wir uns kümmern können. Aber warum bleibt die Klimabewegung immer wieder in einem Sumpf von Besserwisserei, Pessimismus und Zynismus stecken, nach dem Motto: Bringt ja sowieso nichts, ich kauf mir lieber schnell noch einen SUV? Das Klimaabkommen von Katowice, wie alle Abkommen vorab schon als »unmöglich« deklariert, kam am Ende doch zustande. Auch weil 2018 das wärmste Jahr seit Aufzeichnung des Wetters war. Prompt stiegen in Deutschland die Werte der Grünen ebenso an wie der Anteil der erneuerbaren Energie, der inzwischen bei 40 Prozent liegt. Alles Zufall? Alles wertlos? Alles zu spät?

Die Klimakatastrophe übersteigt unser Vorstellungsvermögen – deshalb übertreiben wir sie ins Bizarre.
In Büchern und in Filmen wird die Klimakatastrophe ausschließlich als finaler Untergang der Menschheit erzählt. Je drastischer, umso besser. Es war kein Zufall, dass ein deutscher Filmemacher das Thema als reines Apokalypse-Spektakel auf die Hollywood-Leinwand brachte. Roland Emmerich drehte in den Zeiten der ersten Klima-Alarme zwei Spielfilme, „The Day After Tomorrow“ und „2012“, in denen die Erde erst einfror und am Ende selbst der Himalaya unter Wasser stand . Als man die Besucher von Emmerichs Untergangsfilmen nach der Vorstellung befragte, wie glaubhaft sie nun den menschengemachten Klimawandel fanden, hatten die meisten WENIGER Vertrauen in die Modelle der Klimaforschung. Was vorher realistisch schien, wurde als reine Fiktion empfunden.

Der indische Schriftsteller Amitav Gosh kommt in seinem Buch „Die große Verblendung“ (2017) zu dem Ergebnis, dass es sich bei den literarischen Texten, die sich mit der Klimakatastrophe beschäftigen, um reine Science Fiction handelt. Das Thema übersteigt unser Vorstellungsvermögen und dockt gleichzeitig an archaische Wahrnehmungsmuster von Schuld, Sühne und Strafe an. Es führt zu zahlreichen »Kategorienfehlern« – wir verwechseln das Wetter ständig mit dem Klima und die Zufallseffekte mit Kausalitäten. Das führt zu einer Spirale von Angst und Hysterie, die sich allzu leicht in Zynismus entlädt – oder in einer Retterpose, die aufgesetzt wirkt.

Lust auf Lebensqualität statt auf Untergang.
Darum haben es Populisten und Demagogen wie Trump und die deutsche AfD leicht, den Klimawandel als menschengemacht zu leugnen. Und darum fällt der großen Mehrheit ein handelnder Optimismus schwer, Entweder es ist alles zu spät. Oder alles ist rettungslos übertrieben. Dabei haben wir, statt in kollektive Angst- und Katastrophenstarre zu verfallen, allen Grund zum Öko-Optimismus. Der notwendige Wandel ist längst im Gange – auch in den Köpfen. Die große Mehrheit der Bürger will Umfragen zufolge deutlich mehr Klimaschutz. Es fehlt allerdings ein verbindendes Element: Handlungsoptimismus. Wäre nicht eine Denkweise, eine Mentalität denkbar, in deren Fokus nicht der Verzicht, sondern die Lust auf mehr Lebensqualität steht? Voraussetzung wäre, dass die Energiefrage nicht als Kampf um knappere Ressourcen dastünde, als große Verzichtsübung bei Strafe des Untergangs. Sondern als Projekt eines spektakulären technischen Fortschrittes, der die Kräfte der Natur frei setzt. Die Energiewende hätte tatsächlich das Zeug, eine sinnstiftende Transformation einzuleiten, die auch andere Bereiche als nur den Energiesektor betrifft. Wenn wir sie als technische, ästhetische, politische Verbesserung empfinden könnten, dann wäre viel gewonnen.

Konkret geht es um die Alltagsthemen Energie und Wohnen, Verkehr und Ernährung. In diesen drei Bereichen gibt es längst klimaschonende Alternativen mit erheblichen positiven Nebenwirkungen.

Energie: Der lange Abschied vom fossilen Zeitalter
Das letzte Jahr markiert einen wichtigen Meilenstein in der Klimawende. Der Anteil der Erneuerbaren hat mit 40 Prozent am Strommix in Deutschland einen neuen Rekord erreicht. Es ist noch nicht lange her, als uns die Stromriesen in ihren Pressemitteilungen vorrechneten, dass mehr als 10 Prozent nie möglich wären – Solar und Wind seien viel zu »schwache« Energien für ein nördliches Land wie Deutschland. Aber ein Mix aus ökonomischen Entwicklungen und politischen Zufällen haben die Rechnungen radikal verändert. Heute ist Atomenergie viel zu teuer und die Preise für Solar- und Windenergie sinken ständig.

Millionen Häuser in Deutschland sind heute kleine Kraftwerke. Ein solches Haus zu bewohnen erzeugt eine ganz andere Beziehung mit der Umwelt. Dabei geht es weniger ums Sparen. Energie ist nicht knapp. Im Gegenteil. Die Natur – Wind, Sonne, Biomasse und vieles mehr – geben uns Energie in Hülle und Fülle. Es geht vielmehr darum, diese Energien richtig zu verteilen, zu speichern, zu vernetzen. Ist »Vernetzung« nicht dass große Magiewort des Digitalen Zeitalters?

Das Wort Energie entfaltet seine positive Kraft eben nicht in Verbindung mit dem Beiwort Verzicht. Auch die Weltrettung führt uns nicht viel weiter. Wer zum ersten Mal in ein Elektroauto steigt, ist verwundert, wie viel Spaß das macht. Wer ein paar Tage eines der ausgereiften Elektro-Modelle gefahren ist, wird aus vielen Gründen nie mehr auf einen fossilen Verbrenner umsteigen. Der ist zu langsam, zu laut, zu ungelenk. Es ist auch aus ästhetischen Gründen günstig, eine primitive Technologie zu überwinden.

Die Energiefrage kann auch positive politische Energien erneuern. Die Umweltbewegung meldet sich zurück. Die Massenproteste gegen die Rodung des Hambacher Forstes im Herbst 2018 waren die größten medienwirksamsten Umweltdemonstrationen seit Jahren. Energie mobilisiert die angeblich apathische Jugend: Die 15-Jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg trat medienwirksam in Schulstreik, bei den deutschen Schülern regt sich, zaghaft noch, eine neue Protestbewegung rund um das Thema Klima.

Und Europa? Plötzlich will die Europäische Union zum globalen Vorreiter und Vorbild einer neuen CO2-Politik werden. Die europäische Idee wird neu positioniert. Die Zukunft erobert man nicht, indem man gegen Grenzwerte schimpft. Sogar die deutsche Autoindustrie, die den Wandel lange ignoriert hat, denkt jetzt radikal um. Der »Dieselsünder« VW steigt ins regenerative Energiegeschäft ein, experimentiert mit Carsharing und beeilt sich, eigene Lade-Netze zu errichten. Plötzlich geht alles sehr schnell.

Verkehr: Vom magischen Wandel der Städte
Die Klimawende entscheidet sich weniger national-zentral als dezentral in den Großstädten und Ballungsgebieten, die zu 70 Prozent für die CO2-Emissionen verantwortlich sind. Es sind vor allem die Bürgermeister, die sich für die Potentiale der Klimawende interessieren. Das stärkt die regionale und kommunale Demokratie gegen die Ideologisierungen und Polarisierungen der Nationalpolitik. Der Klimawandel wird zu einem Wandel der Demokratie in Richtung Bürgergesellschaft.

Kaum war Trump an der Macht, verpflichtete sich das Gros der amerikanischen Städte auf noch weitergehende Klimaziele.
Beim jüngsten Klimagipfel der Städte und Regionen in Kalifornien kündigte Winfried Kretschmann für Baden-Württemberg an, bis 2050 klimaneutral zu werden. Kalifornien will es fünf Jahre früher schaffen. Am 2020 schon wird jeder kalifornische Neubau per Gesetz mit Solaranlage gebaut.

In Deutschland fordern mehr als 90 Prozent der Bürger eine gezielte Umgestaltung von Städten und Gemeinden in Richtung Klimaschonung. Manchmal hat das nicht direkt etwas mit CO2 zu tun. Mit drastischen Worten beschreibt der Bürgermeister der englischen Hauptstadt die Lage „Die Luft in London ist ein Killer“. Die schlechte Luftqualität sei das größte Umwelt- und Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung. Am schnellsten geht die Wende, wenn sie, wie in China, mit einem gewissen existentiellen Druck geschieht. Chinas Politik hat verstanden, dass die Energiewende die eigene Bevölkerung schützt. Und bei der Stange hält.

Vor allem die Städte des europäischen Nordens haben vorgemacht, wie man Energiewende mit einer steigenden urbanen Lebensqualität koppelt. Die Bürger sind stolz auf den Wandel, wenn sie sich von Anfang an beteiligen können. Kopenhagen und Amsterdam haben den Autoverkehr in den letzten Jahren weitgehend reduziert – im Einvernehmen und zur weitgehenden Freude der Bewohner. Die erste Fahrrad-Bürgermeisterin weltweit gibt es seit 2017 in Amsterdam. Anna Luten berät heute auch Städte in den USA. Der Umstieg auf Radschnellwege und ein besseres ÖPNV-Netz zeigen Wirkung. Erstmals wurden in der Rushhour zwischen 8 und 9 Uhr mehr Räder als Autos in der City of London gezählt. In Wien kostet die ÖPNV-Jahreskarte 365 Euro, einen Euro am Tag. Die österreichische Initiative „Zero Emission Cities“ ist weltweit Vorbild für nachhaltige Mobilität und einen intelligenten Nahverkehr. Und Deutschland? Hier stagniert der Anteil der Radfahrer, weil die Wege zu gefährlich sind. Beim Rad- und Nahverkehr gehört Deutschland zu den Entwicklungsländern in Europa. Dabei sind Radfahrer Umfragen zufolge die glücklichsten Verkehrsteilnehmer. Eine neue Verkehrspolitik bindet den ländlichen Raum ein und hängt ihn nicht ab. Der Ausbau von Bahnen und ein besserer Nah- und Radverkehr erlaubt es auch Ärmeren überall bequem, schnell und günstig von A nach B zu kommen.

Ernährung: Warum wir keine Heuschrecken essen müssen…
Weltweit leiden inzwischen mehr Menschen an Über- als an Mangelernährung. Die größten Klimasünder beim Essen sind Zucker, Fleisch und billiges Fett. Diese Lage ist historisch neu, und sie stimmt nicht mit den alten Wahrnehmungen einer Welt in Hungergefahr und Nahrungsmangel überein. Obwohl die Bevölkerungszahl der Erde 7,5 Milliarden überschritten hat, können wir heute die gesamte Erdbevölkerung ernähren. Nur in Krisen- und Kriegsregionen kommt es noch zu Knappheiten. In den Wohlstandsnationen stellen wir inzwischen viel zu viele Kalorien her, von denen eine viel zu große Menge einfach verdirbt. Es gibt also keinen Sachzwang zur immer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft und den damit verbundenen Klimaschäden. Im Gegenteil. Intelligente Lösungen, die den Menschen, dem Boden UND dem Klima dienen, sind längst auch das, was die Verbraucher fordern und der Markt verlangt.

Selbst in den USA ist seit einigen Jahren »Peak Meat« erreicht, der Gipfel des Pro-Kopf-Fleischkonsums. Zynisch könnte man sagen; Mehr geht nicht hinein. Öko-optimistisch: Langsam spricht sich herum, dass gesunde Ernährung nicht nur ein Thema für die Reichen und Eliten ist. In den meisten europäischen Ländern schwankt der Fleischkonsum heute noch immer auf hohem Niveau, aber er steigt jedenfalls nicht mehr an. Und er wird fallen. Immer mehr essen weniger und gezielter Fleisch. Sie sind »Flexitarier« – der größte Ernährungstrend der Zukunft.

Teller, Gabel und Messer sind die schärfsten Waffen
Damit werden Teller, Gabel und Messer zu den schärfsten Waffen gegen den Klimawandel. Nach einem UNO-Bericht würde die Reduktion des Fleischkonsums in den Industrienationen um etwa 40 Prozent schon ausreichend, um den Agrarsektor klimatechnisch weitgehend zu sanieren. Fleischproduktion kann ein integraler Teil einer gesunden Kreislauf-Landwirtschaft sein. Schließlich machen Tiere auch Dünger. Wäre das nicht ein gesellschaftlicher Deal, eine sinnvolle Zielvereinbarung: 40 Prozent weniger Fleisch, dafür besseres?

Überhaupt ist im Agrarsektor vieles in positive Bewegung geraten. Bei den Bauern und Landwirtschaftsverbänden hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Trend zum brutalen Billigfleisch so nicht weitergehen kann. Gleichzeitig bilden sich ungewöhnliche Alternativen der Nahrungsproduktion: Die Landwirtschaft wird zur Stadtwirtschaft und kommt auf unkonventionelle Art zu den Konsumenten. Handelsketten wie Edeka und Metro betreiben »Vertical Farming« und gehen unter die Gärtner. Die deutschen Fleischkonzerne Rügenwalder Mühle und Wiesenhof investieren massiv in Fleischalternativen. Soja, Insekten und Erbsen sind das neue Fleisch – und in den USA bereiten Innovateure wie »Beyond Meat« die nächste Welle der Fleisch-Substitution vor. Der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt, Nestlé, hat sich dazu verpflichtet, in den nächsten sechs Jahren alle Verpackungen rezyklierbar oder sogar biologisch abbaubar zu machen.

Eine global vernetzte Landwirtschaft und ein fairer Agrarhandel können einen Beitrag leisten, künftige Klimaschäden um mehr als die Hälfte zu reduzieren, zeigt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Das nächste grüne Wunder findet in Afrika statt: Mit Hilfe von Satellitendaten können Bauern ihre Felder besser bewässern und Düngemittel effizienter einsetzen. Neue Züchtungstechnologien wie Crispr/Cas machen Pflanzen gegen Dürre und extreme Temperaturen robuster und befördern eine resiliente Landwirtschaft.

Eine globale Bewegung der Neo-Nachhaltigkeit
Am Ende werden es jene Länder sein, die wir heute als Klimasünder verurteilen, um unser eigenes Verhalten zu legitimieren, welche die große Wende entscheidend voranbringen. China und Indien sind auf dem Weg zu grünen Supermächten. Erik Solheim, der Chef des Umweltprogramms der UN, spricht von einer »neuen Weltordnung«. Noch verbrennt die Volksrepublik fast die Hälfte der weltweiten Kohle; bis 2050 will das Land der Mitte führend auch beim grünen Strom sein.

„Solange China Milliarden Tonnen Kohle verbrennt, nützen uns keine Erneuerbaren….” – wie oft haben wir das in den letzten Jahren gehört? Aber gerade China treibt den Umstieg auf Elektro-, Hybrid- und Wasserstoffautos massiv voran. Auch weil das Riesenland nach technologischen Alleinstellungen sucht, in denen es sich als Innovateur beweisen kann. So entsteht ein neuer grüner Welt-Wettbewerb, in den auch die arabischen Länder einschwenken. Selbst die Öl-Königshäuser des arabischen Raumes setzen heute auf Neue Energien. Sie haben nicht nur reichlich Öl im Boden (das dort bleiben wird), sondern auch unendlich viel Sonnenenergie, mit der sich Trinkwasser herstellen, ganze Großstädte kühlen und Nahrungsmittel VOR ORT produzieren lassen. So, wie am kalten Ende der Welt die Isländer ihre Tomaten und demnächst Bananen selbst in Gewächshäusern produzieren. Mit geothermaler Energie.

Noch mehr positive Fakten? Es gibt viele. Aber wie fügt sich das alles zu einem Klimabewusstsein zusammen?

Wandel beginnt im Kopf – und verwirklicht sich im Weltgefühl
Vielleicht können Erkenntnisse der Spieltheorie helfen. Um ein komplexes Spiel im Sinn eines »Win-Win«-Ergebnisses zu gewinnen, müssen alle Player an einem Strang ziehen, ihre Interessen koordinieren und synchronisieren. Um die große Transformation zu schaffen, braucht es neben der Politik die Bürger UND die Unternehmen. Bislang hat die Industrie gezögert, die Bürger gezweifelt und die Politik reflexhaft agiert, je nach Stimmungslage. Dieses fragile System kippt aber gerade in Richtung auf einen endgültigen »Tipping Point«.

Noch nie war es so leicht, selbst die großen Internet-Riesen in den Kampf gegen Treibhausgase zu integrieren, die heute um ihr Renommee ringen. Die deutsche Industrie hat nach vielen Jahren Ambivalenz und Dieseltricks eine Entscheidung getroffen. Die meisten deutschen Großunternehmen befürworten heute klare, auch strenge Richtlinien. Aus Europa kommen die Instrumente ambitionierte Grenzwerte und funktionierender Emissionshandel. Und global agierende Konzerne werden die nächsten Aktivisten sein. 100 Unternehmen stehen weltweit für mehr als 70 Prozent des CO2-Ausstoßes (Carbon Majors Report der US-NGO „Carbon Disclosure Project“). Ganz oben, wenig überraschend: Ölmultis und Staatsunternehmen.

Das fossile Zeitalter, in der ganze Volkswirtschaften am Tropf der fossilen Rohstoffe hingen, geht zu Ende. Venezuela ist das traurige Relikt dieser Petrol-Ökonomien, die sich an ihrer inneren Struktur selbst zugrunde richten. In Afrika wachsen vor allem jene Volkswirtschaften, die NICHT auf staatlich kontrollierte Rohstoffe setzen, sondern neue diversifizierte Handelsbeziehungen und Produktionsweisen entwickeln. Wir sind Zeugen eines Prozesses, im dem sich die Systeme persönliches Verhalten, Technologie, Politik Stück für Stück in Richtung auf einen positiven Ausgang synchronisieren. Natürlich geht das nicht ohne Lärm und Widerstand der alten Spieler. Nicht ohne Jammern und Wehgeschrei und Leugnung und Schuldzuweisung. Aber kennen wir das nicht? Kurz bevor etwas gelingt, ist der Lärm immer am größten. Und auch die eigene Unsicherheit, dass wir scheitern könnten.

»Carbon Peak« in 10 Jahren
Wagen wir also eine Prognose: Der »Carbon Peak«, der Gipfel des globalen CO2-Ausstosses, wird schon in den nächsten zehn Jahren erreicht. Damit ist noch nicht alles gewonnen, aber solche Entwicklungen sind erfahrungsgemäß selbstverstärkend. 2050 wird das Wort »Klimakatastrophe« aus dem öffentlichen Wortschatz verschwunden sein. Wir werden uns wieder über schlechtes Wetter aufregen – „zu heiß, zu kalt, zu windig“. Es wird wärmer sein auf dem Planeten, aber deshalb nicht unbedingt dauerhaft katastrophisch. Ökologie handelt dann nicht mehr von Schuld, Sünde, Strafe und Enthaltsamkeit. Eine Ökologie der Schuld funktioniert nur für eine moralische Minderheit. Die postfossile Sanierung unseres Planeten braucht aber eine gesellschaftliche Mehrheit, die Lust auf Zukunft macht. Und die Dinge zusammenfügt, die tatsächlich zusammen gehören. Ökologie und Ökonomie. Technik und Natur. Fortschritt und Schönheit. Das geht. Wetten?

Matthias Horx gilt als einflussreichster Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum und ist Gründer des Zukunftsinstituts. Dr. Daniel Dettling leitet dessen Berliner Büro.
www.zukunftsinstitut.de

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