Holistische Prognostik

Die ganzheitliche Zukunftsforschung der neuen Art

Als universalistische Betrachtung der Welt – und ihres Wandels – versucht die holistische Prognostik „Muster hinter den Mustern“ zu erkennen. Dabei verbinden und beflügeln sich mehrere Disziplinen gegenseitig:

  • Die System- und Komplexitätstheorie als Grundlage des Verständnisses dynamischer Systeme.
  • Die Spieltheorie als Methode zur Beschreibung kommunikativer Prozesse.
  • Die Memetik als Lehre von den gesellschaftlichen Zeichensystemen.
  • Die Probabilistik als Lehre von den Wahrscheinlichkeiten.
  • Evolutions- und Chaostheorie als weitere Betrachtungsform von Wandlungsprozessen.
  • Darüber hinaus erweitern Sozioökonomie und systemische Soziologie unser Verständnis gesellschaftlicher Dynamik.

Die HOLISTISCHE PROGNOSTIK verbindet diese Disziplinen zu einer einheitlichen Denkweise, in der die Welt nicht als determiniertes Uhrwerk erscheint, sondern als Möglichkeitsraum, in dem sich laufend neue Strukturen des Wahrscheinlichen ausbilden. Diese Formungen kann man besser erkennen, wenn man nicht nur rationale und mathematische Modelle einsetzt, sondern auch Inspiration, Instinkt und Gefühle integriert.

Entscheidend für diese ganzheitliche Weise, die Zukunft zu betrachten ist dabei die Fähigkeit, unsere eigenen ZUKUNFTSIRRTÜMER zu verstehen. Jene Verzerrungen, die unser Zukunftsdenken beeinflussen und ständig zu falschen (Rück)Schlüssen führen.

Wichtige Zukunftsirrtümer sind zum Beispiel:

  • inearität: Die Verengung einer Trendentwicklung auf eine simple Linie ohne Kontext.
  • Wunschdenken: Die Prognose von den inneren (Erlösungs-)Wünschen her.
  • Angstdenken: Die Prognose von den inneren Ängsten her.

Das Propheten-Tarot

Immanuel Kant unterschied in der Preisschrift „Erneuerte Frage: Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei?“ (1789) drei grundlegende Welthaltungen:

  • Eudämonismus (beständiger Fortschritt),
  • Terrorismus (Verschlechterung bis zur Katastrophe),
  • Abderitismus (zufälliger Wechsel von Auf und Ab).

Diese Haltungen lassen sich in“Prophetischen Archetypen“ darstellen, die innere Zukunfts-Haltungen repräsentieren. Für die produktive Zukunftsarbeit ist es wichtig, dass wir diese Typologien „in uns selbst” unterscheiden lernen.

Grafik: Frauke Lehn

Der Zukunfts-Bürokrat:
Morgen ist wie heute, nur ein bisschen mehr oder weniger

In dieser Gestalt verwalten wir lediglich das vorhandene Wissen und prozessieren/ projizieren es linear nach vorne. Wir können uns das ANDERE nicht wirklich vorstellen. Zukunft ist nichts anderes als eine Variante der Gegenwart, so wird sie berechenbar, domestiziert, harmlos. Meine Damen und Herren, wir haben ein gutes Berichtsjahr hinter uns, und deshalb ein ebenso gutes vor uns!

Grafik: Frauke Lehn

Die Marketing-Gauklerin:
Zukunft als gesteigerte Nachfrage

Der kalten Ökonomie setzt diese Zauberin die Wärme des Verstehens gegenüber, die Mütterlichkeit der magischen Worte. Bei ihrer Zukunft handelt es sich um eine Versorgungs-Phantasie: Es wird Milch und Honig fließen! In der Marketing-Gauklerin steckt auch Hermes, der Götterbote, der Gott der Kommunikation. Der Wunsch wird hier die Mutter des Trend-Gedankens.

Grafik: Frauke Lehn

Der Erlösungs-Visionär:
Transzendentalist mit Zaubermitteln

Die Ideologie des Erlösungsvisionärs ist die fundamentale Idee der Akzeleration, der ständigen und unaufhaltsamen Beschleunigung. Der Zug der Zeit rast Richtung Zukunft, und ob er dort ankommen wird, können wir nur erfahren, wenn wir aufspringen auf die rasende Fahrt! Verbunden ist die eschatologische Hoffnung auf die Allmacht kommender Technik mit einer (maskulinen) Kontroll-Vision: Wir können alles lösen! Wir haben alles unter Kontrolle! Wir werden jedes Problem bewältigen!

Grafik: Frauke Lehn

Der Doomsayer:
Zukunft als Drohgebärde

Der Verkünder der Apokalypse ist eine uralte Figur, die im Kontext von Religion und Machtbewahrung eine lange Tradition hat. Meistens dargestellt als alter, grantiger Mann, findet er sich heute als endlose Widergänger in Funk, Film und Fernsehen. Traditionell arbeitet diese Figur mit Angst-Beschwörungen, Schuld-Zuweisungen und dem Duktus der Selbstgerechtigkeit. Denn Untergangs- und Endzeit-Philosophien bedeuten vor allem Deutungsmacht.

Im Übrigen hat jedwede Prognostik eine narrensichere Rückzugslinie, falls sie nicht gerade auf das unabwendbare Fatum eingeschworen ist. Diese Rückzugslinie ist der Warncharakter der Weissagung: So und so wird es kommen, wenn nicht entsprechende Abwehrmaßnahmen getroffen werden.
Helmut Swoboda, Propheten und Prognosen

Grafik: Frauke Lehn

Der Futureteller:
Zukunft als Spiegelung

Der Zukunfts-Erzähler stellt mehr Fragen als er Antworten gibt. Seine Leidenschaft ist der Zweifel. Sein Programm ist die Überwindung von Programmen. Sein Instrument ist keine Kristallkugel, sondern ein Spiegel, in dem wir uns selbst in unserer Zukunfts-Gestalt erkennen können. Er ist der Botschafter des Humanistischen Futurismus.